Volume 1
Handbuch der Pharmacie zum Gebrauche bei Vorlesungen und zum Selbstunterrichte für Ärzte, Apotheker und Droguisten / von Philipp Lorenz Geiger.
- Date:
- 1839-1843
Licence: Public Domain Mark
Credit: Handbuch der Pharmacie zum Gebrauche bei Vorlesungen und zum Selbstunterrichte für Ärzte, Apotheker und Droguisten / von Philipp Lorenz Geiger. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Royal College of Physicians of Edinburgh. The original may be consulted at the Royal College of Physicians of Edinburgh.
430/636 (page 404)
![Man erhält den reinen Baryt i) durch Glühen des Salpe- tersäuren Baryts. Der salpetersaure Baryt wird in einem Tiegel an- fangs gelinde erhitzt, wobei er schmilzt, nach und nach wird das Feuer ver- stärkt, bis er zuletzt beistarker Hellrothgliihhitze kein Sauerstoffgas und Stick- oxydgas mehr entwickelt (wird nicht stark genug geglüht, so bleibt salpetrig- saurer Baryt oder eine Verbindung von Stickoxyd oderStickoxydul mit Baryt). 2) Kohlensaurer Baryt wird mit Vi0 Kohle (Kienrufs> ge- mengt, und stark geglüht. Man knete das innige Gemenge von kohlensaurem Baryt und Kohle mit etwas Tragantschleim zu einer steifen Masse an, lege es in einen mit Kohlenpulver gefütterten wohlbedeckten Tiegel, oder in eine irdene Retorte, und gebe % bis 1 Stunde lang nach und nach bis zum Weifsglühen verstärktes Feuer. Erklärung. Beim Erhitzen des Salpetersäuren Baryts wird die Säure zerlegt; sie entweicht als Sauerstoff- und Stickoxydgas, und reiner Baryt bleibt. — Beim Erhitzen von kohlensaurem Baryt mit Kohle entzieht die zugesetzte Kohle der Kohlensäure 1 Atom Sauerstoff, es entsteht Kohlen- oxydgas, welches entweicht, und ätzender Baryt bleibt (mit etwas Kohle [vielleicht wohl auch mit etwas Barium?] gemengt, s. auch S. 314). §. 669. Die Eigenschaften des Baryts sind: Es ist eine grauweifse, harte blasige, leicht zerreibliche Masse von 4,00 spec. Gew., nur in stärkster Weifsglühhitze (vor dem Knallgas- gebläse und im Focus des Brennspiegels) schmelzbar, dabei dunkel- grau werdend. Schmeckt sehr ätzend alkalisch, reagirt stark alkalisch, zerstört schnell thierische Stoffe, doch minder ener- gisch als die abgehandelten reinen fixen Alkalien. Wirkt giftig (Gegengift: Schwefelsäure und schwefelsaure Salze). tH'tl i Baryt und Wasser. Baryt-Hydrat (Hydras baryiicus). Formel: BaO-f-aq. 1 At. Baryt = 956,88 1 At. Wasser = 112,48 1 At. Baryt-Hydrat = 1069,36 9 At. Wasser = 1012,38 1 At krystallisirtes Baryt-Hydrat = 2081,68 §. 670. Der Baryt hat grofse Affinität zum Wasser, er zieht es begierig aus der Luft an, ist aber nicht zer- fliefslich. Mit gleichem Atom Wasser verbindet er sich unter heftiger, oft bis zum Glühen gehender Erhitzung zu Baryt-Hydrat. Dieses wird auch durch Erhitzen des krystallisirten Baryt-Hydrats (siehe unten) erhalten. Ein weifses, sehr ätzendes Pulver, schmilzt in schwacher Roth- glühhitze zu einer weifsen Masse von kr}stallinischem Ge- füge 5 feuerbeständig, läfst das Wasser durch Glühen nicht fahren. — Es zieht, so wie der reine Baryt, mit Begierde Kohlensäure an, mufs daher in wohlverschlosseuen Gefäfsen aufbe- wahrt werden. Das Baryt-Hydrat löst sich in 20 Theilen kaltem und 2 Theilen kochendem Wasser. Man erhält die wässerige Lö- sung durch Digestion des reinen (auch kohlenhaltigen) Ba- ryts oder Barythydrats in verschlossenen Gefäfsen. Desglei-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21907547_0001_0430.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)