Volume 1
Handbuch der Pharmacie zum Gebrauche bei Vorlesungen und zum Selbstunterrichte für Ärzte, Apotheker und Droguisten / von Philipp Lorenz Geiger.
- Date:
- 1839-1843
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Credit: Handbuch der Pharmacie zum Gebrauche bei Vorlesungen und zum Selbstunterrichte für Ärzte, Apotheker und Droguisten / von Philipp Lorenz Geiger. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Royal College of Physicians of Edinburgh. The original may be consulted at the Royal College of Physicians of Edinburgh.
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![Kalk und Wasser. Kalk-Hydrat {Calcaria hydrata}. Formel: CaO-faq. 1 At. Kalk = 356,03 1 At. Wasser ~ 112,48 1 AtTkälkhydrat = 468,50““ Synonyme. Gelöschter Kalk (Calx extincta). §. 687. Der Kalk hat auch grofse Affinität zum Was- ser, er zieht dasselbe (nebst Kohlensäure) begierig aus der Luft an, und zerfällt zu Pulver (zerfallener Kalk), ein Ge- menge von kohlensaurem Kalk und Kalkhydrat (s. unten)5 niufs deshalb in verschlossenen Gefäfsen aufbewahrt werden (sie mit Harnblase zu verschliefsen, ist unzureichend, da diese Wasser zuläfst). Wird er mit % Wasser in Berührung gesetzt, so erhitzt er sich stark, zum Theil unter LichteutWickelung (oft bis zum Entzünden des Schwefels, — in grofsen Massen kann er selbst Holz und andere brennbare Substanzen entzünden, — Feuersgefahr bei grofsen Kalklagern, wenn Wasser hinzukommt,) und zerfällt unter Wasser- dampf-Entvvickelung und starkem Anschwellen zu einem zar- ten weifsen Pulver, Kalkhydrat. Durch Erhitzen verliert es sein Wasser. Das Kalkhydrat löst sich bei gewöhnlicher Tempera- tur in 600 bis 700 Theilen Wasser, von lieifsem Was- ser erfordert es mehr, nämlich 1200 bis 1300 Theile. Die gesättigte Lösung ist das Kalkwasser (Aqua Calcariaeß Aqua Calcis, Calcaria pura liquida [?!]). — Man bereitet dieses, indem gelöschter Kalk mit ungefähr 50 Theilen Wasser an- gerührt, und die milchige Flüssigkeit (Kalkmilch) öfter ge- schüttelt wird. Der überschüssige Kalk wird in verschlosse- nen Gefäfsen absetzen lassen, die wasserhelle Flüssigkeit abgegossen, und in gut vor dem Luftzutritt verwahrten Ge- fäfsen auf bewahrt. §. 688. Die Eigenschaften des Kalkwassers sind: Es ist eine wasserklare Flüssigkeit von schrumpfend, schwach alkalischem Geschmack, reagirt schwach alkalisch. — An der Luft überzieht es sich schnell mit einem Häutchen von koh- lensaurem Kalk, welches bald zu Boden sinkt, und sich so oft erneuert, als Kalk in der Flüssigkeit ist. Aus dem Kalk- wasser läfst sich durch Abdampfen unter der Luftpumpe mit Schwefelsäure (S. 169) das Kalkhydrat in Krystallen darstellen, welche regelmäfsig sechsseitige Säulen bilden. Die Güte des Kalkwassers erkennt man an seinem Geschmack und der alkalischen Reaction. Beim Erhitzen mufs es sich trüben, mehr noch, wenn es mit einer Lösung von kohlensaurem Alkali vermischt wird 5 mit Schwefelsäure versetzt, mufs es nach einiger Zeit etwas Gyps ablagern lassen. Durch Aussetzen an die Luft darf es nur reines Wasser hinter- lassen; ferner mufs Kleesäure alles daraus fällen. Medicinische Anwendung. Das Kalkwasser wird innerlich und äufser- lich theils für sich gebraucht, wo es nicht leicht eine Beimischung verträgt, theils kommt es zu einigen Arzneimitteln (aqua phagadenica, linimentum Calcis etc.).](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21907547_0001_0442.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)