Volume 1
Handbuch der Pharmacie zum Gebrauche bei Vorlesungen und zum Selbstunterrichte für Ärzte, Apotheker und Droguisten / von Philipp Lorenz Geiger.
- Date:
- 1839-1843
Licence: Public Domain Mark
Credit: Handbuch der Pharmacie zum Gebrauche bei Vorlesungen und zum Selbstunterrichte für Ärzte, Apotheker und Droguisten / von Philipp Lorenz Geiger. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Royal College of Physicians of Edinburgh. The original may be consulted at the Royal College of Physicians of Edinburgh.
446/636 (page 420)
![Erklärung. Siehe die Bildung der unterchlorigen Säure S. 136. §■ 603. Die Eigenschaften des Bleichkalks sind: Es ist ein weifses Pulver, riecht schwach nach Chlor, schmeckt sehr schrumpfend bitter, wird an der Luft feucht und entwickelt (durch Einwirkung der Kohlensäure) Chlor. — Ist aber in der Kegel eine basische Verbindung und enthält zum Theil 1 At. überschüssigen Kalk, weicher aber dem Produkt mehr Haltbarkeit gibt. — Diese Verbindung wird sehr leicht zerlegt; beim gelinden Erwärmen oder Kochen der wässerigen Lösung zur Trockne wird sie, ähnlich den übrigen unterchlorigsauren Alkalien, in chlorsauren Kalk und Chlorcalcium verwandelt (die Erklärung s. S. 237), in stär- kerer Hitze entwickelt sich Sauerstoffgas, und auf Zusatz jeder andern Säure, selbst Kohlensäure (s. o.) entwickelt sich Chlor; uuterchlorigsaurer Kalk und Chlorcalcium werden hiebei vollständig zerlegt, das Calcium des Chlorcalciums oxydirt sich auf Kosten des Sauerstoffs der unterchlorigeu Säure zu Kalk, das Chlor des Chlorcalciums und dos unterchlorigsauren Kalks wird frei uud entweicht, während die einwirkende Säure sich mit dem Kalk verbindet. — Er ist leicht löslich in Wasser, wobei der überschüssige Kalk zurückbleibt. Frei von überschüs- sigem Kalk und eine sehr concentrirte Auflösung erhält man, wenn 1 Theil Kalkhydrat mit 4 Theilen Wasser übergossen und so lange Chlorgas hineingeleitet wird, als sich noch auf- löst. Die Flüssigkeit ist gelblich, riecht nach Chlor; entfärbt besonders bei Gegenwart von Säuren alle Pflanzenfarben, Bleichflüssigkeit; zerstört Miasmen und alle Übeln Gerüche. (Diese bleichende u. s. w. Eigenschaft verdankt sie [so wie die übrigen unterchlorigsauren Alkalien S. 358 u. 387] dem freiwerdenden Chlor und dem Sauerstoff; ersteres verbindet sich mit dem Wasserstoff der farbigen Sub- stanz, zerlegt wohl auch Wasser und bildet Salzsäure; der hiebei frei wer- dende Sauerstoff zerstört die Farbe; ähnlich verändernd wirkt wohl Chlor auf übelriechende Substanzen und Miasmen, es entzieht ihnen AVasserstoff uud zerstört sie.) Prüfung auf seine Reinheit. Der Bleichkalk ist um so besser, je löslicher er in Wasser ist, doch darf er au der Luft nicht zerflielsen. Die Flüssigkeit mufs sich als reine Bleichflüssigkeit verhalten. Man erkennt die Güte des unterchlorigsauren Kalks am besten an seiner ent- färbenden Eigenschaft der Indigsolution. — Vergl. auch wässeriges Chlor (S. 234); Gay-Lussac’s Chlorometer a. a. 0. uud Annalen der Pharmacie, Bd. XV1IL S. 18, Morins und Houton-Labülardiere’s Chlorometer s. im Mag. f. Pharm. Bd. 15. 8. 179 und 181 und Bd. 25. S. 73; ferner Mare- %eau in Poggendorffs Annalen Bd. XXII. S. 273, Rose in dessen Handbuch der analytischen Chemie, 2te Aufl., Bd. 2. S. 4b‘4. uud Ruflos in Schiveig- ger Bd. 63. S. 349. Anwendung. Wie unterchlorigsaures Kali und unterchlorigsaures Na- tron (S. 358 u. 387). Der unterchlorigsaure Kalk dient vorzüglich dazu, um im Grofsen die schädlichen Ausdünstungen von Abtritten, Moorgrün- den, Leichen u. s. w. zu zerstören. Neuere Erfahrungen hierüber haben seine Vorzüglichkeit in dieser Hinsicht bewährt (vergl. Mag. f. Pharmacie, Bd. 12. S. 88 ff.); ferner (so wie unterchlorigsaures Natron) um den üb- len Geruch der Fufsausdünstungen und stinkenden Athem zu vertilgen (Vorschrift zu Zeltchen hiezu nach üeschamps s. im Magazin für Pharm. Bd. 23. S. 54), gegen übelriechende (gangränöse, syphilitische u. s. w.) ’j Geschwüre, Krätze, Scropheln; selbst bei Krebsgeschwären und Pestbeu- len, um die ansteckende Wirkung letzterer zu zerstören; und gegen An- 1 steckung durch Wuth- und Schlangengift. Auch innerlich werden diese Chlorverbindungen gebraucht. Man läfst im sehr verdünnten Zustande in](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21907547_0001_0446.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)