Chemische Untersuchungen über die faelschlich Hirnfette genannten Substanzen und ihre Zersetzungsprodukte / von Hermann Köhler.
- Köhler, Hermann.
- Date:
- 1868
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Credit: Chemische Untersuchungen über die faelschlich Hirnfette genannten Substanzen und ihre Zersetzungsprodukte / von Hermann Köhler. Source: Wellcome Collection.
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![(Glycin, Allantoin etc.), welche unter Umständen gewissen Basen gegenüber die Rolle einer schwachen Säure übernehmen, an. Müller fand den Koldensloffgehalt des nur in kochendem Alkohol und Aether löslichen Hirnbestandtheiles unter allen Autoren am höchsten (68, 35 und 68, 56 %), und boten mir seine Analysen deshalb, weil er aus den- selben gleichfalls eine Formel mit 34 Atomen Kohlenstoff berechnete, ein grosses Interesse dar *). Aus seiner Beschreibung des Cerebrin’s lässt sich mit grosser Wahrscheinlichkeit erkennet!, dass er die von mir Myelomar- garin genannte Substanz, im nicht ganz reinen Zustande (wofür besonders der niedrige Schmelzpunkt (80°)**) spricht), vor sich hatte. Ihr mikros- kopisches Verhalten, ihre Löslichkeit in heissetn Wasser, welche Fremy ent- gangen war, ihre physikalischen Eigenschaften, endlich ihr Verhalten den concentrirten Mineralsäuren gegenüber, hat Müller auf eine genau mit meinen später mitzutheilenden Beobachtungen übereinstimmende Weise ge- schildert. Unter den Zersetzungsprodukten hat derselbe das durch cou- centrirte Salpetersäure Erhaltene genauer untersucht. Merkwürdigerweise fand er darin, während sein „Cerebrin“ 1 Atom N. enthielt, keine Spur von Stickstoff. Doch bin ich um so weiter davon entfernt, in Müller’s Angabe eine Bestätigung der von Fremy verfochtenen Spaltbarkeit der Oleophosphorsäure in Olein und Phosphorsäure zu erblicken , als es mir bei meinen Jahre lang forlgesetzten Experimenten, wobei ich die im Hirn enthaltenen Materien durch die verschiedensten Reagentien zersetzte, niemals glückte, Olein oder Oel- säure darzuslellen ***). Ausser dem Cerebrin, hatte Müller aus dem Hirn noch das in Aether lösliche Bleisalz einer Fettsäure, welches Phosphor enthielt, je- doch keineswegs, wie Müller gegen Gobley bemerkt, glycerinphosphor- saures Blei war, und auch Fremy’s Bericht von der oft erwähnten Spaltbar- keit der Oleophosphorsäure durch seinen Phosphorgehalt, wonach es kein öl- saures Blei sein konnte, widerlegte, gewonnen. Die physikalischen Eigen- schaften des von Müller erwähnten Salzes stimmen in vielen Punkten mit denen des von mir später zu beschreibenden Bleisalzes eines Zersetzungspro- *) Schon Marchand (physiologische Chemie pg. 272, [vgl. auch §.31 des 3. Kap.]) berechnete die Analyse der Cerebrinsäure nach Fremy, den damaligen! Atomgewichten gemäss um, legte der C. S. 68 At. Kohlenstoff bei und entwickelte , einen genetischem Zusammenhang zwischen ihr und der Margarinsäure. **) v. Bibra giebt 75° als Schmelzpunkt einer Fettsäure an. ***) Die Elcmentaranalysen unrein erhaltener und übrigens ganz heterogener Zer-> setzungsprodukte ergeben zuweilen sehr ähnliche Zahlen, auf welche Hypothesen zu; gründen man sich nicht genug hüten kann. Indem ich z. B. die Fettsäuren (aus der Reihe), CnHn04), welche bei Zersetzungsprocessen des Hirns resultiren, studirte, erhielt ich ein saures Oel, welches 69, 56° C und 11, 13°/0H enthielt und hiernach gemäss der Forme® C2o Hio04 zusammengesetzt war. Sehr bald überzeugte ich mich jedoch, dass die der- Verbrennung unterworfene Substanz unrein war und ich keineswegs eine neue Fettsäure, ' welche ihrer Zusammensetzung nach hätte zu den Flüchtigen gehören müssen, im Gehirn entdeckt hatte.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22332200_0024.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)