Chemische Untersuchungen über die faelschlich Hirnfette genannten Substanzen und ihre Zersetzungsprodukte / von Hermann Köhler.
- Köhler, Hermann.
- Date:
- 1868
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Credit: Chemische Untersuchungen über die faelschlich Hirnfette genannten Substanzen und ihre Zersetzungsprodukte / von Hermann Köhler. Source: Wellcome Collection.
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![duktes der phdsphor - und stickstoffhaltigen Myeloidins&ure (inan vgl. das über erylhrostearinsaures Blei in den Nachträgen [Cap. IV.] Angegebene), über- ein. Der in dieser Verbindung enthaltene Stickstoff könnte Müller entgangen sein; ich lege jedoch auf eine Vergleichung der von Müller und mir mit- getheilten Analysen, deren Resultate gewisse Analogien zeigen, z. B. im P- gehalte (bei Müller 3,72 %, während ich 3,53 und 3,97 % verzeichnet finde), um so weniger Werth, als Müller sich von der nicht völligen Reinheit der von ihm analysirten Substanz selbst überzeugt zu haben scheint, und andererseits meine Untersuchungen über die äusserst interessante Erythroslea- rinsäure, welche mit Jodwasser und Schwefelsäure behandelt, ein der soge- nannten Speckrothreaktion Meckel’s völlig gleiches Verhalten zeigt, noch weit entfernt sind, abgeschlossen zu sein. Seit Veröffentlichung der soeben besprochenen Untersuchungen *) Müller’s waren sieben Jahre lang bemerkens- werthe Arbeiten auf dein Gebiete der Nervenchemie nicht angestellt worden, als im April 1865. die epochemachende, auf einer durchaus neuen Unter- suchungsmethode basirende und die Beobachtungsresultate aller früheren Au- toren in Frage stellende Abhandlung Oskar Liebreich’s erschien. -Liebreich **) giebt für die Darstellung des nach seinen Untersuchungen den Hauptbestandtheil der Hirnsubstanz ausmachenden Körpefs, welchen er „Protagon“ (TtQWTuywv) nennt, folgende Vorschrift. Dem eben ge- tödleten Thiere werden die Carotiden incidirt und so lange Wasser durch dieselben injicirt, bis dasselbe aus den Venen ungefärbt abläuft; alsdann ist das Hirn blutfrei. Nun wird es rasch aus dem Schädel entfernt, in einer Schale zerschnitten, mit Wasser und Aether zu einem Brei angerührt, zer- rieben und in einer grossen Flasche bei 0° hingestellt, bis sich die Aelher- schichl über der wässerigen abscheidet. Man hebt erstere ab, ersetzt den Aether, welcher nur Cholesterin und Spuren von Protagon aufnimmt, unter Schütteln durch Neuen, lässt wieder bei 0° absetzen und wiederholt diese Manipulation mehrfach. Jetzt wird das mit Wasser und Aether behandelte Hirn durch Sammeln auf einem Filtro möglichst von Beiden befreit und bei 45° T. im Wasserbade mit 85grädigem Alkohol erschöpft, warm filtrirt und der Auszug bei ±0° erkalten gelassen. Es setzt sich hierbei ein flockiger, aus Protagon und Cholesterin bestehender Niederschlag ab, welchen man ab- filtrirt, durch Aussüssen mit kaltem Aether von allem Cholesterin befreit, über Schwefelsäure unter der Luftpumpe trocknet, etwas mit Wasser anfeuchlet, nochmals bei 45° in Weingeist löst und die Solution im Wasserbade bei ge- *) Das von Hrn. R. Otto auf der Giessener Naturforscher-Versammlung vorgelegte Stickstoff- und phosphorfreie Cerebrin war mit dem später zu beschreibenden Myelomar- garin, wie ich aus einer mir giitigst zur Untersuchung übersandten Probe ersah, nicht identisch. (Cfr. meine Abhandlung in Virchow’s Archiv. 1867. Bd. XL1.) **) Annnlen der Chemie und Pharmazie. CXXXIV. 1. Heft. April 1865. pag. 29—44; Kühne’s phys. Chemie, pag. 340; und in H o p p e-Se yler’s „physiol. Chemie.,,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22332200_0025.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)