Chemische Untersuchungen über die faelschlich Hirnfette genannten Substanzen und ihre Zersetzungsprodukte / von Hermann Köhler.
- Köhler, Hermann.
- Date:
- 1868
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Credit: Chemische Untersuchungen über die faelschlich Hirnfette genannten Substanzen und ihre Zersetzungsprodukte / von Hermann Köhler. Source: Wellcome Collection.
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![60 und fetten Oelen löst es sich beim Kochen in grosser Menge auf und wird beim Erkalten fast vollständig wieder abgeschieden; kalte Menstrua nehmen j nur geringe Mengen davon auf. In kaltem Wasser quillt auch das reine und cholesterinfreie Myelomargarin, wie Amylum, kleisterartig auf, und gehen nur j Spuren desselben, welche durch Tannin und Bleiessig nachweisbar sind, in j Lösung; beim Erwärmen löst sich dagegen eine grössere Menge in Wasser auf. ■ Die sämmtlichen Auflösungen des Myelomargarirjs rea- giren neutral und erst bei längerem Stehen an der Luft wird die wässerige L. sauer. Das durch Chlorwasserstoffsäure abgeschiedene und mit Wasser ausgesüsste Myelomargarin darf nicht auf ein Filter ge- . bracht und im Trockenschranke getrocknet werden, indem es sehr bald zu Kleister aufquillt, bei erhöhter Temperatur die Poren des Papier’s durch- •' dringt, durch den erwärmten Trichter abläuft und verloren geht. Aus der heiss dar gestellten alkoholischen Lösung schei- den Essigsäure und Mineralsäuren das Myelomargarin ab. Durch Tanninlösung wird darin ein weissgelbes, feinflockiges, in der Siedehitze ungelöst bleibendes und bei auffallendem Lichte röthlich opalisirendes Präcipitat erhalten. Salpetersäure löst das Myelomargarin unter Aufschäumen und Ent- Wickelung salpetrigsaurer Dämpfe, jedoch, zur Bestätigung des mangelnden f Stickstoffgehaltes desselben, ohne Auftreten einer gelben Färbung der Flüssig- keit auf. Die durch concentrirte Schwefelsäure und Alkohol bewirkte Lösung : färbt sich, wenn Letztere durch Kochen ausgetrieben wird, durch Verkoh- ' lungsprodukte des Myelomargarins violett. Chlor wassersäure löst das Myelomargarin unter Zersetzung und Zurücklassung eines grauröthlichen Rückstandes auf. (Die Angabe R. Otto’s, dass der von demselben gewonnene Stickstoff- und phosphorfreie Körper beim Einschmelzen mit Chlorwasserstoffsäuren in Glasröhren und mehr- tägigem Kochen, Traubenzucker und Fett liefert, ist, sofern sie Lieb- reich’s und ßaeyer’s Beobachtung, wonach unter den Zersetzungspro- ; dukten des Prolagon’s Traubenzucker vorkommt [Virchow’s Archiv XXXIX. pag. 183] bestätigt, von grossem Interesse. [Cfr. auch IV. Cap. §.55.] Otto’s Cerebrin ist übrigens mit dem Myelomargarin *) nicht, wie ich anfänglich annahm, identisch.) *) lclt bemerke hierzu, dass ich aus dem frisch untersuchten Hirn eines von mir, operativ entfernten Fötus von 7 Monaten, nacli dem F.rschöpfen desselben mit kaltem Aether kein Myelomargarin erhalten konnte. Leider ist mir bisher nicht wieder Ge- legenheit geworden, au frischem Material diese Beobachtung, welche noch zu vereinzelt, dastellt, um zu Schlüssen zu berechtigen, zu wiederholen. Ueber Olto’s Cerebrin vgl.a Virchow’s Archiv XLI. p. 273.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22332200_0074.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)