Die Serumtherapie bei Diphtherie in Theorie und Praxis : nach eignen Beobachtungen in der Chirurgischen Klinik zu Halle / von Kurt Müller.
- Müller, Kurt
- Date:
- 1895
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Credit: Die Serumtherapie bei Diphtherie in Theorie und Praxis : nach eignen Beobachtungen in der Chirurgischen Klinik zu Halle / von Kurt Müller. Source: Wellcome Collection.
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![[13] -»^ Von den 71 Serumfällen starben nun im ganzen 40% von den 39 Kontrollfällen dagegen nur 31 «/o; ja der Unterschied verschlechtert sich zu Ungunsten des Serums, wenn wir nur die schwersten Fälle, die Tracheotomierten ins Auge fassen; da starben von 52 tracheo- tomierten Serumfälleu 26, d. h. gerade 50 %, während von 25 tracheo- tomierten Kontrollfällen nur 10, also 40 o/o starben. Ohne Serum war demgemäss die Mortalität um 10 /o geringer als mit Serum. Ich brauche nicht hinzuzufügen, dass abgesehen von der Serum- injektion alle Fälle gleichmässig exspectativ behandelt wurden und dass einzig flir gute Ernährung und Stärkung der Herzthätigkeit, überhaupt möglichste Kräftigung des Organismus gesorgt wurde. Die oben angeführten Zahlen könnten nun leicht zur Annahme führen, dass die mit Serum behandelten Fälle in ungünstigem Sinne beeinflusst wären, da durchweg die Mortalität eine höhere ist, als bei den Kontrollfällen. Dieser Anschauung möchte ich jedoch mit aller Energie ent- gegentreten; die Zahlen sind viel zu geringe, als dass ein Unter- schied von 10—15 % etwas zu bedeuten hätte. Einen Einwand möchte ich jedoch nicht unterdrücken, der Ihnen auch nach meinen im Be- ginn gegebenen theoretischen Deduktionen nur logisch erscheinen wird, nämlich den, dass man doch aus diesen Versuchsreihen den Eindruck gewinnen muss, dass zur Zeit ein bereits vorgeschrittener Fall von Diphtherie durch die Serumbehaudlung nur wenig oder kaum be- einflusst werden kann, sobald sich Staphylokokken, Streptokokken oder Diplokokken neben den Diphtheriebacillen vorfinden. Speziell die Diplokokken scheinen eine ausserordentlich ernste Prognose zu verlangen. Fast sämtliche mit Diplokokken komplizierten Fälle sind an ausgedehnten Pneumonieen gestorben, und es ist mir in einer Zahl von Fällen gelungen, Diplokokken in den Lungenheerden nach- zuweisen, während ein Nachweis von Staphylokokken oder Strepto- kokken nicht gelang. Es scheint also, als ob die Diplokokken durch direktes Absteigen von den Membranen aus, in denen sie meist Tage vor der Entstehung der Pneumonie nachgewiesen wurden, örtliche Veränderungen in den Lungen hervorrufen, während die Staphylo- kokken und Streptokokken durch Eutwickelung von Stoffwechsel-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21718908_0017.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


