Beitrag zur Kenntnis des Tubenkarzinoms / von Siegfried Boxer.
- Boxer, Siegfried.
- Date:
- 1909
Licence: In copyright
Credit: Beitrag zur Kenntnis des Tubenkarzinoms / von Siegfried Boxer. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by The Royal College of Surgeons of England. The original may be consulted at The Royal College of Surgeons of England.
12/28 page 560
![Die oben erwähnte, umschriebene Geschwulstwucherung an der Aussenfläche der linken Tubo-Ovarialcyste gleicht in ihrem Aufbau voll- ständig den an der Innenfläche befindlichen Exkreszenzen und steht mit ihnen in der Art in Zusammenhang, dass in der Cystenwand vielfach ge- wundene, augenscheinlich Lymphsjjalten entsprechende Züge von Tumor- zellen die Verbindung hersteilen. Die Cystenwand selbst besteht an dieser Stelle zum grössten Teil aus leicht verdichtetem Ovarialstroma mit einge- lagerten weissen Körpern, während sie gegen die Tube zu aus kernarmen, fibrillärem Bindegewebe besteht. Der Vollständigkeit halber möchte ich noch des Befundes eigenartiger Zellen im subepithelialen Stratum Erwähnung tun. Im ampullären Ab- schnitt der Tube findet sich nämlich unter dem nur leicht abgeplatteten Epithel (an einer von Neoplasma freien Stelle) eine Anzahl grosser, an- scheinend polygonaler Zellen mit im Verhältnis zur Grösse des Protoplasma- leibes auffallend kleinen, rundlichen, chromatinreichen Kernen. Das Proto- plasma ist hell und zart gekörnt. Die Zellen besitzen eine entfernte Ähnlichkeit mit Luteinzellen. Es scheint sich hier um eine Veränderung der Zellen des subepithelialen Stratums zu handeln, über deren Natur nichts Bestimmtes ausgesagt werden kann. Da die Präparate in Alkohol fixiert waren, liess sich eine Fettfärbung nicht mehr durchführen. Dieser Fall, dessen Untersuchung durch das Fehlen des zuge- hörigen Uterus nur eine unvollständige sein konnte, zeichnet sich durch das Vorhandensein eines Karzinoms in beiden Tuben aus. Die Beiderseitigkeit derartiger Neoplasmen ist, wie eingangs er- wähnt, nur sehr selten konstatiert worden. Der Fall gehört aber auch zur Zahl jener, bei denen das Karzinom in Tubo-Ovarial- cysten aufgetreten ist. [Warneck (15), Zangemeister (17), Anuf- rief (1).] Denn wie auch im erstbeschriebenen Falle sprechen auch hier sowohl die Retortenform als auch die an der Innenfläche makro- und mikroskopisch nachweisbaren Fimbrien für diese Annahme. Das Wachstum des Neoplasmas ist gegenüber dem ersten Falle insofern weiter vorgeschritten, als das Karzinom an einer Stelle die Cystenwand bereits durchwuchert hat. Es sitzt aber beiderseits die Hauptmasse der Geschwulst in der Tube selbst, ist im cystischen Teil nur mehr spärlich entwickelt, so dass auch hier wieder die Tube als der Ausgangspunkt der Wucherung aufzufassen ist. Die Tumorentwicklung ist beiderseits gleichweit vorgeschritten, so dass, wenn man die beiderseitige primäre Karzinomentwick- lung nicht annehmen wollte, sich die Frage nicht entscheiden liesse, auf welcher Seite der Primärtumor zur Entwicklung gekommen ist. Man müsste in diesem Falle eine sehr frühzeitige Metasta- sierung annehmen, da sich nur so die gleich weite Entwicklung des Neoplasmas erklären liesse.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22475230_0014.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


