Die Pathologie der weiblichen Sexual-Organe : in Lichtdruck-Abbildungen, nach der Natur in Originalgrösse, durch anatomische und klinische Erfahrungen erläutert / von F. Winckel.
- Winckel F. (Franz), 1837-1912.
- Date:
- 1881
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Credit: Die Pathologie der weiblichen Sexual-Organe : in Lichtdruck-Abbildungen, nach der Natur in Originalgrösse, durch anatomische und klinische Erfahrungen erläutert / von F. Winckel. Source: Wellcome Collection.
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![haut und das deutliche Hei voi treten der Falten sind (iheiall zu erkennen. Am meisten in die Augen springend sind indess die stecknadelkno])!'- bis hnsengrossen, dicht- gedrängten Hervorragungen. Diese zuerst von Deville (1844) als besondere Foi'm beschriebene Vaginite granuleuse, von Ricord Psorelytrie, von Boys ue Loiry und GosTiLHES Vag. papillaris genannt, findet sich nicht blos bei Schwangern, sondern auch ausserhalb der Gravidität. Man hat die Prominenzen durch bedeutendere Tur- gescenz der Papillen zu erklären versucht. Seitdem wir indess durch die neueren Untersuchungen wissen, dass die Vagina normaler Weise adenoide Follikel, ähnhch den Solitärfollikehi des Darmes enthält, muss man die von uns hier zur Abbildung gebrachte Anomalie als Drüsenaffection auffassen, »indem im Verlauf chronischer Katarrhe zu- weilen die Schleimhaut durch Ansammlung reichlicher lymphoider Zellen in ihren Lücken und Maschen einen förmlich adenoiden Charakter annimmt» (Birch-Hirschfeld, Lehrbuch der pathol. Anatomie; Leipzig 1877, p. 1160). Auch erinnert unsere Abbildung sehr an die von Henle gegebene (Handbuch der systemat. Anatomie des Menschen IL 2, p. 4öO, Braunschweig 1864). Henle zeichnete ein Stück Schleimhaut aus dem oberen Theil der Vagina einer 18jährigen Selbstmörderin mit conglobirten Drüsen besetzt, welche in grosser Zahl als niedere Erhabenheiten mit kreisrunder Basis und centraler Depression 0,5—2 Mm. im Durchmesser, theils vereinzelt, theils in Querreihen geordnet waren und auf den ersten Blick den Querwülsten der vorderen und hinteren Columna glichen, vorzugsweise im oberen Theil der Vagina und auf den Lippen des Orificii uteri. Diese Beschreibung passt ganz genau auf unser Präparat, welches von einer Frau stammt, die wiederholt geboren hatte; nur sind die flachen Prominenzen in der ganzen Länge der hinteren Vaginalwand sehr zahlreich und sind auch an der hinteren Mutterlippe noch zu erkennen. Man würde demnach diese Form der Colpitis besser als »follicularis« be- schreiben, zum Unterschied von der eigentlichen »papillaris«, bei welcher die hyper- trophischen Papillen als hirsekorngrosse, zarte, mit durchscheinendem Capillargefäss versehene Hervorragungen zu erkennen sind und von der ich später eine Abbildung zu bringen gedenke. Der allgemeinere Name der Colpitis granulosa passt auf beide Formen, ohne indess den Zustand genau genug zu bezeichnen. Figur 3 zeigt einen Theil der hinteren Scheidenwand und den Scheidentheil mit dem Muttermund. Fast 2 Centimeter unter dem hinteren Vaginalgevvölbe ist ein wenig rechts von der Mittellinie eine stralilige, sternförmige Narbe der Scheide gelegen, die ihre Radien nach allen Richtungen hin aussendet. Zwischen einzelnen dieser Radien liegen des Epithels beraubte, erodirte Stellen, die in der Photographie dunkler erscheinen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21718167_0026.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)