Aus Galens Praxis : ein Kulturbild aus der römischen Kaiserzeit.
- Johannes Ilberg
- Date:
- 1905
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Credit: Aus Galens Praxis : ein Kulturbild aus der römischen Kaiserzeit. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![Wahl von mehr oder weniger Wesentlichem zu treffen. Die reichste Ausbeute bieten naturgemaB die patbologiscben und tberapeutiscben ^ bygieniscben nnd pbarmakologiscben Hauptwerke/) ancb die Kommentare zn Hippokrates ent- balten viele Beispiele^ sonst sind sie in geringerem Prozentsatz iiberall zerstrent. Man mocbte wissen^ wie sicb Galen denn fernerbin zur Pest gestellt bat, die, wie wir zn erkennen glaubten, seine Flucbt aus Rom banptsacblich verursacbt hatte und ibn nach seiner unfreiwilligen Riickkebr iiber Aqnileja wenigstens zeit- weise veranlaBte, daB er sicb zuriickgezogen den Studien widmete. N^acb dem Dargelegten erscbeint es nicbt wunderbar, daB alles znsammengenommen seine Nacbricbten iiber die Pest seiner Zeit im Yerbaltnis zu der ungebeuern Masse der Opfer unter Marcus und Commodus, von der die Historiker berichten, ver- baltnismaBig geringfiigig sind. Uber die Pest bei Tbukydides bat er eine Scbrift in mebreren Biicbern gescbrieben, die verloren ist,^j aber selber ist er nicbt eigentlicb Pestarzt gewesen. Das scblieBt nicbt aus, daB ibm Pestfalle in seiner Praxis vorgekommen sind,^) daB er von der Art der Krankbeit eine ziemlicb genaue Anscbauung und tbeoretiscbe Uberzeugung besaB und Mittel gegen sie gelegentlicb erprobte; die Seucbe wiitete ja viele Jabre lang und er- reicbte mebrere Hobepunkte. Unter Marcus bericbtet er als Folge der Pest Verlust der FuBzeben, so daB die Genesenen sicb nur mit Stocken fortbewegen konnten,^) und gibt weiterbin Bescbreibungen der Bangen’^), 'groBen’®), 'an- dauernden’^) Pest, einmal mit dem StoBseufzer: 'W^enn sie docb einmal auf- borte!’^) oder: 'Mocbte docb eine solclie Pest, wie wir sie batten und nocb immer baben, die Menscbbeit niemals wieder erleben!’^) In unzabligen Fallen batten die Arzte ratios gestanden, ja mitunter weniger Einsicbt gezeigt als verstandige LaienP*^) Aus spaterer Zeit sind nur diirftige Erwabnungen er- balten,^^) was sicb zum Teil aus dem Verlust mebrerer Biicber, die damals ge¬ scbrieben waren, erklaren mag. Dagegen lesen wir in einem friiberen Bucbe^^) b Also namentlich, nach der Entstehungszeit geordnet, y.B&odog I—VI, 'TyiBiv&v I—VI, IIbqI t&v nBTtov&orav roTtcov I—VI, ©BQaTCBVtrArj fiS'd'o^og VII—XIV, IIsqi cwd-^OBcog (paQ^dzcdv t&v zatd ysvr] I—VII. Es laBt sich deiitlich beobachten, wie die Zahl der erwahnten Falle im Verhaltnis um so groBer ist, je spater eine dieser Schriften ab- gefaBt wurde; best man sie in chronologischer Reihenfolge, so erlebt man gewissermaBen die Zunahme der praktischen Erfahrung mit. Besonders instruktiv ist in dieser Beziehung ein Vergleich der ersten Partie der groBen Therapeutik mit dem viele Jahre spater ver- faBten zweiten Teile, worin die Falle viel dichter gesat sind als dort. b Rhein. Mus. LII 622. b ^ 360 ff. b HI 188. b V 115. b IX 341. b IX 357. b X 360. b IX 359. ^b IX 357. ^b XII 189 fF. X 733. IV 788. Die Pestbeschreibnngen Galens behandelt Buresch, Klaros S. 69 f.; doch sind dabei die unechten Schriften nicht ausgeschieden, so daB er bei der Seuche tatiger erscheint, als wirklich bezeugt ist. Es ist natiirlich, daB die Falschungen auch ihm, gerade wie dem Hippokrates, bedeutende Verdienste in der schwersten Krankheitsgefahr seiner Zeit znschreiben (XIV 280 fP.), ja daB er die Pest selbst gehabt und sich davon kuriert haben muB (XIX 524). Im iibrigen war der Legende bei ihm weniger Raum gelassen als bei jenem, weil er bei Lebzeiten eigenhandig mehr als genugend fur seinen Nacbruhm gesorgt hat. 1*) VI 749 ff.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b30606846_0034.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)