Zur Quellenkunde der persischen Medizin / Adolf Mauritz Fonahn.
- Adolf Fonahn
- Date:
- 1910
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Credit: Zur Quellenkunde der persischen Medizin / Adolf Mauritz Fonahn. Source: Wellcome Collection.
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![licher Herrschaft verbunden sind, zu beschützen. Dieses Kapitel wird im Hindi [d. h. prayuktaseniyaJ)] genannt. Wisse, daß wenn der König und sein Heer in das Land des Feindes oder eines Rebellen zur Abwehr ihrer Missethaten ziehen wollen, er zu seiner Be- gleitung einen geschickten Arzt, einen frommen Büßer, dessen Gebete erhört werden, und einen scharfsinnigen Astrologen haben soll. Der Arzt muß die Futtervorräte, das Wasser, das Brennmaterial, die mit Wald bewachsenen Stellen* 2), die Wohnstätten, das Pflaster des Landes usw. durch aufmerksame Beobachtung genau untersuchen, weil der Feind diese Dinge durch Gift ver- unreinigt. Wenn der Arzt ihn nicht begleitet, oder wenn er sich seiner Auf- gabe nicht gewachsen zeigt, was Gott verhüten möge, so kann durch solche Vergiftung großes Unglück über sein Heer kommen Solche An- zeichen der Vergiftung und Vorsichtsmaßregeln dagegen nun werden im Kapitel über die Gifte angegeben werden Frage. Wenn nun der Tod doch durch das Schicksal vorher bestimmt ist, wie kann da der Arzt den Menschen davon befreien? Antwort. Der Tod ist bei den indischen Ärzten zweierlei Art: I. wird er zur Gewißheit durch das Aufhören der natürlichen Wärme und der natürlichen Feuchtigkeit, und 2. tritt er durch eine unvorgesehene Ur- sache ein, und diese Art nennen die Indier jlzifl [d. h. ägantuka]. Man hat den Tod mit dem Auslöschen einer Lampe verglichen, deswegen weil das Erlöschen der Lampe durch das Aufbrauchen des Öls und das Verzehren des Dochtes verursacht wird, manchmal aber auch trotz Fortdauer von Öl und Docht durch einen zufälligen Wind u. dgl. sich ereignet. Ebenso findet man seinen Tod manchmal durch das Aufhören der natürlichen Wärme und Feuch- tigkeit und manchmal trotz des Verbleibens derselben. Der zufällige Tod hat ioo Arten, wie im j [Atharvaveda, d. h. Ayurveda] erwähnt ist, und durch die Vorsicht des Arztes soll man vor dem zufälligen Tode gesichert werden, so wie z. B. ein geschickter Arzt den König und sein Heer durch seine Behandlung schützt Der erwähnte Arzt muß auch, wenn eine Krankheit aus den drei Feuchtigkeiten usw. im Heere entspringt, in seiner Be- handlung derselben den größten Eifer an den Tag legen Über seinem Zelt (oder Lager) sei ein Zeichen, damit der Kranke sofort den Arzt finden und Arznei verlangen kann, und die Vergifteten und Verwundeten, welche eine Verzögerung der Kur töten würde, ihn schnell finden können. Die ganze Heilkunde geht auf vier Füßen. Diese sind i. Der Arzt. 2. Der Kranke. 3. Die Arznei und 4. Die Pfleger der Kranken. Von diesen vieren ist der Arzt der hauptsächlichste Die anderen drei „Füße“, auch wenn sie so sind wie sie sein sollen, sind ohne den Arzt nutzlos; wenn dagegen der Arzt allein ist, und die anderen Dinge auch nicht so sind, wie sie sein sollen, so wird er doch sicherlich Nutzen stiften, wie etwa wenn ein Steuer- mann auch allenfalls allein [d. h. ohne Segel] das Boot hinübersetzt ') Haas gibt hier die Sanskritzeichen, nicht Transskription. V 2) Bezieht sich [Haas] nach Cakrapäni, dem Kommentator des Susruta, auf die List des Feindes, die Luft unter den Bäumen zu vergiften, unter deren Schatten der König vielleicht aus- ruhen könnte.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28037935_0030.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)