Zur Geschichte der pharmazeutisch-chemischen Destilliergeräte / von Hermann Schelenz.
- Schelenz, Hermann Emil, 1848-1922.
- Date:
- 1911
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Credit: Zur Geschichte der pharmazeutisch-chemischen Destilliergeräte / von Hermann Schelenz. Source: Wellcome Collection.
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![der Unterseite des Blattdaches absetzte, während in Sonderheit feuchtes Brennmaterial heller gefärbte Verbrennungsstoffe gab, die (so weit sie nicht durch die Öffnungen in die Luft strömten, die unterseits, da wo das Dach auf den Wänden auflag, gelassen waren, oder durch die, welche an der höchsten Stelle ausgespart war), tropfbar flüssig sich festsetzten und, be- sonders wenn Regen das Dach außen kühlte, regellos herunter- tropften (destillierten), wenn nicht der Zufall, später der ihn zum Zweck gestaltende Mensch die einzelnen Tropfen in irgendeiner Art, durch Überstehenlassen des Daches, durch Anbringen eines vorspringenden Holz- teiles, der die Tropfen zum Zusammenlaufen zwang, durch eine Rinne nach einer bestimmten Stelle hin ableitete. Ganz ähnlich vollzog sich in den Wohnräumen der Höhlenbewohner die Entwicklung des Dampfes, seine Verdichtung, die Kondensation, das Tropfbarflüssigwerden an den festgeschlossenen Decken und Wänden der Höhle, und viel deutlicher mußten diese Erscheinungen und erst recht das Destillieren, das Herabträufeln von der Decke und das Herab- rinnen an den Wänden vor Augen treten, und es muß ihn geradezu zum Anlegen von Rinnen gezwungen haben. Dafür, daß der Mensch sich das Weltall seiner engen Behausung ähn- lich gestaltete, daß er sich die staunenerregenden Vorgänge darin so er- klärte wie die ihm täglich vor Augen tretenden in seiner Hütte, ist er- klärlich. Die Überlieferungen uralter Völker (vgl. die der Bibel) und ihr Wortschatz beweisen das ebenso wie die uns geläufige Muttersprache. Über dem Erdboden breitet sich des Himmels [mit der Vorbedeutung des deckenden, des Dachs] Zelt oder Gewölbe [eine bogenförmige Bedeckung. Wölben steht dem griechischen xö^ttos, Busen sprachlich nahe], das Coelum [von xoilos, hohl], das Firmamentum [die Feste des Himmels], der ov^avoe [sanskr. Varunas, der Gott des Wassers]. Gebildet ist diese Decke, dieses Dach von den Wolken [vielleicht von einer vorgerm. Wurzel, welge-feucht], dem Nebel [altd. Nifl, wie das griech. ve<peXr] und lat. nubes, eines Stammes]. Der Mensch mußte beobachten, wie sich Feuchtigkeit aus dem Boden, aus Wasserläufen und den Seen in Gestalt von Dunst, Nebel, Wolken aufwärts hob, daß Samen des Wassers Sich mit den Wolken zugleich aus allen vorhandenen Dingen häufig erhebet1), und daß Das Wasser auf Erden, das der Flüsse und Meere Löst sich in leichte, flüchtige Teil’ auf, Die nicht fähig man ist, mit der Schärfe des Auges zu fassen und daß es sich sammelt Hoch in den Wolken und stürzt als fließender Regen nieder zur Erde. i) Lucrez, Von der Natur der Dinge, VI., 470ff.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b24864080_0006.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


