Geschichte der Medicin, Chirurgie, Geburtshülfe, Staatsarzneikunde, Pharmacie u. a. Naturwissenschaften und ihrer Litteratur / von Emil Isensee.
- Isensee, Emil, 1807-1845
- Date:
- 1843-1845
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Credit: Geschichte der Medicin, Chirurgie, Geburtshülfe, Staatsarzneikunde, Pharmacie u. a. Naturwissenschaften und ihrer Litteratur / von Emil Isensee. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![Scheele, zu dem wir der Zeitfolge nach jetzt kommen, da er am Oteii December 1742 zu Stralsund geboren war, lernte last Nichts von den Menschen: die Natur allein war seine Lehrerin. Auch hatte er nur in einem chemischen Werke, und zwar in dem von Neumann, einem Schüler Stahl's, das ihm der Zulall in die Hiinde warf, alle seine chemischen Studien gemacht. F^in böser Dämon scheint seine äussern Verhältnisse bis zum Tode verdorben zu haben — von einer furchtbaren Explosion an gerechnet, zu der sein erstes Experiment führte (weil ein muthwilliger und unbeson- nener College ein detonirendes Pulver unter die Substanzen, mit denen er experimentirte, gemischt hatte), bis zu der lleirath, die er kurz vor seinem Tode, durch Edelmuth, aber ohne Neigung zu schliessen, getrieben ward. Der einzige glückliche Zufall, den seine Lebensgeschichte herausfinden lässt, nämlich die Bekanntschaft mit Bergmann, vyar das Produkt von harten Vorwürfen, die er bei Gelegenheit einer Salpetersendung, schuldlos wie immer, erfuhr und deren Abwehr erst Bergmann mit Erstaunen und Freude erfüllen sollte. Diesem äusserlich so Unglücklichen gelingt als Chemiker Alles. Man kann fast behaupten, er habe wenig Substanzen einer Untersuchung unterworfen, die nicht zu einer bedeutenden Endeckung geführt hätten. Aber wie ganz allein dies in der ihm eigenen gei- stigen Einigung der unermüdlichsten Geduld, der schärfsten Combi- nationsgabe und der aufmerksamsten Klarheit lag, dies beweist ein Blick auf sein Laboratorium. Weit entfernt, auch nur etwas un- seren so höchst vollkommenen Instrumenten und Apparaten Vergleich- bares zu besitzen, war er auf einige Biergläser und Schweinsblasen zur Aufsaugung der Gase beschränkt, und besass ausser ihnen nichts mehr, als einige Kolben, Schmelztiegel und Flaschen nebst den nö- thigsten Präparaten. Seine Geschicklichkeit ersetzte Alles und be- fähigte ihn, mit jenen unbedeutenden Mitteln die feinsten Versuche zu machen, die verborgensten Stoffe zu isoliren, die unerwartetsten Verbindungen zu erzeugen. Man kann von ihm sagen: Entdeckung war seine Gewohnheit. In der That verdankt man Scheele die Entdeckung der Weinsteinsäure, der Fluorkiesel-, der Mangan-, Ar- senik-, Molybdän-, Milch-, Schleim-, Wolfram-, Citronen-, Gallus- und Blausäure, die Endeckung der Natur des Graphits, der wich- tigsten Aelherverbindungen, der Bereitung des Glycerins [Scheele- schen Süss oder Oelsüss] und so vieles Andern, dass man fast die ganze Chemie durchwanderen müsste, um Alles aufzuzählen. Allein, wie sich so häufig der Mangel philosophisch wisscu- schaftlicher Bildung an unerwarteten Orten und natürlich fast immer da, wo es die allgemeinsten Auffassungen gilt, rächt, so verküm- merte ihm die Nullität seiner Erziehung fast jede allgemeinere Gel- tendmachung und durchgreifende Anwendung der uniibcrtroifenen Re- alität seiner Forschung. So gelangte Scheele mit Versuchen, die er nichl dem Zu- fall, sondern nur sich verdankte, deren Menge und Zweckmässigkeit](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21452672_0024.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)