Illustrierter Kommentar zu der Hippokrateischen Schrift / herausgegeben von Hermann Schöne.
- Apollonius, of Citium.
- Date:
- 1896
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Credit: Illustrierter Kommentar zu der Hippokrateischen Schrift / herausgegeben von Hermann Schöne. Source: Wellcome Collection.
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![3. Sorgfiiltige Erwagung verdient endlich eine Notiz von Gabriel Fallopius iiber eine von ihm benutzte Handscbrift. Er sagt in seinena commentarius in librum Hippo- cratis de vulneribus capitis (Opera genuina omnia, Tomus primus, Venetiis 1606, pag. 414) Folgendes: 'Nullum capitis vulnus] in codice Comarii habemus appendicem appositam: apud Graecos etiam codices varia addita sunt et varia deficientia dicta sunt; usque ad illam partem [Hominum capita] omnia superaddita sunt: hoc possum probare ex codice Graeco Cardin. Florentini, quern donavit Gallorum Regi, maiusculis litteris manuscripto.’ Fallopius bezeugt damit die Kenntnis einer 'maiusculis litteris’ geschriebenen Handscbrift, in -welcher die hippokrateische Scbrift nepi tuiv ev KeqpaXrj rpuuiudTUJV (wie iibrigens in alien bisher bekannt gewordenen griecbischen Handschriften derselben) mit den Worten Tiliv dvGpuiTTOiv ai KeqiaXai begann®®), und behauptet, der 'Cardinalis Florentinus’ babe dieselbe dem Konig von Frankreich zum Geschenk gemacbt. Enter dem ersteren ist jedenfalls Cardinal Niccolo Ridolfi zu verstehen, der als Sohn des Pietro Ridolfi und einer Tocbter Lorenzos des Prachtigen in Florenz geboren war. Da er 1550 gestorben ist, so kann mit 'rex Gallorum’ nur Franz I. (1515—1547) oder Heinrich II. (1547—1559) bezeichnet sein. Da nun die Scbrift Ttep'i rinv ev KeqpaXrj Tpaipdraiv in die Chirurgen- sammlung des Niketas aufgenommen ist, so liegt es nahe zu vermuten, dafs Fallopius den cod. Laur. LXXIV, 7 gemeint hat, in welchem jene Schrift in der That mit den Worten Tiliv dvBpuJTTiuv ai KeqpaXai begiont; man mufs dann die Worte 'maiusculis litteris manu- scripto’ ubersetzen: 'mit ziemlich grofsen Buchstaben geschrieben’ — was auf diese Hand- schrift in der That pafst — und nicht: 'in Majuskeln geschrieben’. Die Angabe des Fal- lopius, dafs Kardinal Ridolfi diese Handscbrift dem Konig von Frankreich geschickt babe, kann freilich nicht richtig sein, doch laXst sich, glaube ich, die Quelle seines Irrtums nachweisen. Fallopius (1523—1562), ein Zeitgenosse von Guido Guidi, wird die Hand- schrift in Rom bei Kardinal Ridolfi selbst benutzt haben, und spater durch die in der That leicht mifszuverstehenden Aufserungen Guidis in der Vorrede zu seiner Chirurgia^®) zu dem Glauben verleitet worden sein, der Kardinal babe die alte Pergamenthandschrift selbst an Franz I. von Frankreich verschenkt, wahrend thatsachlich, wie wir oben gesehen, nur eine Abschrift derselben nach Fontainebleau gekommen war. Ich verkenne das Mifsliche dieser Erklarung nicht, aber sie scheint mir die einzig mogliche. Denn auf die Pariser Hss. 2247 und 2248 passen die Worte 'maiusculis litteris manuscripto’ in keiner Weise, wie man dieselben auch verstehen mag, und eine andere Handscbrift des Buches Ttepi tujv KeqpaXri TpoipdTUJv, auf welche Fallopius sich bezogen haben konnte, ist in den Kata- logen der Bibliothek von Fontainebleau, die den Bestand unter Franz I. und Heinrich H. verzeichnen, nicht zu finden. 39) Vgl. Littr6, Oeuvres completes d’Hippocrate III, S. 182 f. 40) tu, rex regum maxime . . . quum solus habeas . . . graecum etiam volumen, quod Cardi- nalis Rodulphus ad te misit; unicum enim legebatur in eius amplissima bibliotheca. Vgl. oben S. XVn.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28984109_0033.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)