Die Harnconcretionen, ihre Entstehung, Erkennung und Analyse : mit besonderer Rücksicht auf Diagnose und Therapie der Nieren- und Blasenerkrankung / von Joh. Florian Heller.
- Johann Florian Heller
- Date:
- 1860
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Credit: Die Harnconcretionen, ihre Entstehung, Erkennung und Analyse : mit besonderer Rücksicht auf Diagnose und Therapie der Nieren- und Blasenerkrankung / von Joh. Florian Heller. Source: Wellcome Collection.
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![gen geht sclmeller als das Analjsiren der Steine. Ich habe zahl- reiche Steinsanimliingeii gesehen, in welchen auch nicht Ein Stein zerschnitten war, wo auch nicht die Analyse Eines Steines, wohl aber das Gewicht bis in Viertel-Grane beilag, wo man sich weigerte, die „schönen Steine zu zersägen, um sie nicht zu ver- derben oder zu verunstalten. Aus solchen Sammlungen kann man nichts lernen und kann keine Studien anstellen über die vorherrschenden Entstehungsursachen in den als „Steingegend bezeichneten Landtheilen. Als vorzüglich beachtenswerth kann ich nach meinen bisherigen Erfahrungen bereits herausheben, dass die vorherrschende chemische Zusammensetzung der Harnsteine gewisser Gegenden gegenüber an- deren eine verschiedene ist. Ich wurde von Professor Alexander Rajer in Cairo veranlasst, eine Zahl von 100 Harn- steinen ägyptischer Kranken, namentlich der Gegend um Cairo zu analysiren. Das Ergebniss war, dass die allermeisten Harnsteine aus Harnsäure oder oxalsaurem Kalk oder in umspringenden Schich- ten dieser Verbindungen bestanden, und. die ausgezeichneten Forschungen R a y e r s und B i 1 h a z' haben gezeigt, dass sogar ein Eingeweidewurm die Veranlassung ist zur Bildung von Harn- steinen *). Es ist schon diess ein Vorkommen, welches in Europa nicht zu finden ist. Hier kommen wieder bei weitem mehr phos- phatische Steine vor, als andere. Die Harnsteinfälle sind hier in Wien gar nicht häufig, während bei Olmü tz und in manchen Gegenden Italiens, Pavia u. a. das Vorkommen der Harnsteine etwas sehr gewöhnliches ist. Dem löblichen Beispiele Professor Rayer's ist auch jetzt Professor Brunetti in Padua, ebenfalls ein ausgezeichneter Zögling der Wiener Schule gefolgt, er sa,ndte mir eine grössere Partie Harnsteine zur Analyse, um über die italienischen Harnsteine Studien anstellen zu können. Bis solche Studien allseits angeregt und gehörig durchgeführt sein werden, wird durch die Eruirung der Ursachen der zahlreichen Stein- bildung i]j gewissen Gegenden ein grosser Schritt zur Vermin- derung dieses Uebels geschehen sein. Wir werden später im spe- ciellen Theile darauf zurückkommen und auf die Krankheitsfor- men, in welchen am häufigsten die Steinbildung im allgemeinen und insbesondere Steine von gewisser Zusammensetzung vorkommen. *) Wiener medicinische Wochenschrift. 1858.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b20399352_0027.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


