Licence: Public Domain Mark
Credit: Lehrbuch der physiologischen Chemie / von Olof Hammarsten. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Augustus C. Long Health Sciences Library at Columbia University and Columbia University Libraries/Information Services, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the the Augustus C. Long Health Sciences Library at Columbia University and Columbia University.
30/680 page 14
No text description is available for this image
No text description is available for this image
No text description is available for this image![Giftige Eiweiss- stoffe. Toxal- kulturen eine auf Thiere giftig wirkende Bubstanz, das TypJioio.ri», zu isoliren, und aus Tetanuskulturen wie auch aus dem amputirten Arme eines an Wund- starrkrampf erkrankten Patienten hat er eine andere Substanz, das Tetanin, dargestellt, welches Thiere unter Symptomen von ausgebildetem Tetanus tödtet'). Wie oben erwähnt, stehen die chemischen Vorgänge bei Thieren und Pflanzen nicht wie Gegensätze einander gegenüber; sie bieten zwar Verschieden- heiten dar, sind aber im Grunde in qualitativer Hinsicht einerlei Art. Alle lebende Zellen der Thier- und Pflanzenwelt sind, wie Pflügee sagt, blutsver- wandt, aus derselben Wurzel stammend; und wenn die einzelligen pflanzlichen Organismen die Proteinstoflfe derart zerlegen können, dass giftige Substanzen entstehen, warum würde denn nicht auch der Thierkörper, der doch nur ein Komplex von Zellen ist, unter physiologischen Verhältnissen ähnliche Stofte erzeugen können? Es ist in der That auch längst bekannt, dass der Thierkörper einer solchen Fähigkeit mächtig ist; und als allgemein bekannte Zeugnisse dieser Fähigkeit können verschiedene stickstoff^haltige Extraktivstoffe und die giftigen Bestandtheile der Sekrete einiger Thiere genannt werden. Solchen Stoffen basischer Natur, welche regelmässig und unaufhörlich als Zersetzungs- produkte der Proteinsubstanzen im lebenden Organismus entstehen, und welche ; folglich als physiologische Stoffweehselprodukte anzusehen sind, hat Gautier, zum Unterschied von den durch Mikrobien erzeugten Ptoniainen und Toxinen, den Namen Leulcomdine gegeben. Derartige Stoffe, zu denen mehrere längst bekannte thierische Extraktivstoffe zu rechnen sind, hat Gäutiee besonders aus thierischen Geweben, wie den Muskeln, isolirt. Die bisher bekannten Leu- koma'ine, von denen auch einige in kleinen Mengen giftig sind, gehören, wie es scheint, der Cholin-, der Harnsäure- und der Kreatiningruppe an. Auch den Leukomai'nen hat man eine gewisse Bedeutung als Krankheits- erreger zuerkennen wollen. Man hat nämlich angenommen, dass diese Stofl'e, wenn sie in Folge einer unvollständigen Exkretion oder Oxydation im Körper sich anhäufen, zu einer Autointoxikation Veranlassung geben könnten (Bou- CHAED U. A.^). Die Toxine und die giftigen Leukomaine sind indessen weder die einzigen noch die heftigsten Gifte, die von der Pflanzen- und Thierzelle erzeugt werden. Die Untersuchungen der neueren Zeit haben nämlich gelehrt, dass sowohl höhere Pflanzen wie Thiere giftige Stoffe von, wie man allgemein annimmt, eiweiss- artiger Natur produziren. Derartige giftige Stofte sind beispielsweise aus den Abrus- und Ricinussamen wie aus dem Gifte von Schlangen, Spinnen und anderen Thieren isolirt worden. Von ganz besonderem Interesse sind in- ') Vergl. Briegeu, VinOHOW's Aroh. 112 uml 115: ferner Sitzungsber. <1. ]ierl. Akad (1. W. 1880 und Berl. kliu. AVochenschr. 1888. 2) liull. soc cliim. 43 und A. Gaütier, Sur les alealoidcs derives de la destruolion baetericnne ou jihysiologique des tissus animaux. Paris 1886. •^) BoccilAF.D, Leeons sur les auto-intoxieations dans les raaladies. Paris 1887.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21219904_0030.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)