Die Masturbation; eine Monographie für Ärzte und Pädagogen.
- Hermann Rohleder
- Date:
- 1899
Licence: Public Domain Mark
Credit: Die Masturbation; eine Monographie für Ärzte und Pädagogen. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Augustus C. Long Health Sciences Library at Columbia University and Columbia University Libraries/Information Services, through the Medical Heritage Library. The original may be consulted at the the Augustus C. Long Health Sciences Library at Columbia University and Columbia University.
265/346 (page 243)
![— 248 - günstig'er liegen die, \'erliä]tiiisse be/iigiicli der l'i'opliykixe unseres Lasters bei den mittleren und iirdieicn (Tesellschaftsklassen. Von der Wiege bis zu jenem Lebensabschnitte, wo das Kind eintritt in die Gemeinschaft der Erwachsenen, bei den Mädchen oft noch lange — manchmal denselben nui' zu lange — unterliegt das Kind der elterlichen häuslichen Erziehung, Beaufsichtigung und Be- einflussung. Diese fortAvährende lange Kette von Einflüssen und Eindrücken sittlicher und veredelnder Art, denen das Kind von jenem Momente an, wo die ersten Spuren geistiger Thätigkeit sich zeigen, bis zu seinem Austritt aus dem Elternhause unterliegt, sie bildet die häusliche Erziehung, jenen h()chst wichtigen Faktor, der oft das ganze Lebensglück und Geschick des Einzelnen bestimmt, der von einschneidendster Bedeutung für die ganze körperliche wie geistige, moralische wie sittliche p]ntwickelung wird. Eine regelrecht ge- leitete, vernünftige Erziehung, eine genaue Kenntnis und Befolgung derselben würde daher das Glück der Menschheit, ein unendlicher Fortschritt in der Verbesserung, Veredelung und Vervollkommnung des gesamten Menschengeschlechts bedeuten, ein Fortschritt, der aber leider zur Zeit noch sehr problematisch ist, da wohl die wenigsten Eltern auch nur mit den notwendigsten Grundsätzen einer natur- gemässen, weisen Erziehung vertraut sind. Bei Reich und Arni;, in Palast und. Hütte können wir tagtäglich die haarsträubendsten Er- ziehungsfehler beobachten, die natürlich im späteren Leben oft bitter- böse sich rächen. Woran liegt dies? Einfach daran, dass wohl die allerwenigsten jungen Leute beim Eingehen der Ehe auch nur eine blasse Ahnung von dem Erziehungsgeschäft der Kinder haben, dass sie glauben, dass Kindererziehen eine ganz selbstverständliche Sache sei, resp. gar sich für „Erzieher von Gottes Gnaden halten, anderer- seits aber von den im menschlichen Körper herrschenden Natur- gesetzen absolut nicht oder nur höchst mangelhaft unterrichtet sind und die grössten Böcke dagegen schiessen, die meisten Menschen daher nicht erzogen, sondern verzogen werden. Durch diese falsche Erziehung wird auch auf sexuellem Gebiete schon bei jüngeren Kindern viel geschadet, und um sexuelle Ge- brechen infolge falscher Erziehung zu verhüten, ist daher nötig, dass von zarter Jugend auf das Kind l)ezüglich sexueller Unarten in steter, stiller Beobachtung gehalten wird. Man muss bei der un- geahnten, weiten ^erbreitung des Lasters schon in früher Jugend sich fragen, wie es möglich ist, dass wohl in den allermeisten Familien die Eltern nichts dagegen tliun, ja, meist gar keine Ahnung haben, 16*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21209145_0265.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)