Ein atypsiches Netzhautgliom ... / vorgelegt von Theodor Lenders.
- Lenders, Theodor (Franz Theodor), 1879-
- Date:
- 1904
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Credit: Ein atypsiches Netzhautgliom ... / vorgelegt von Theodor Lenders. Source: Wellcome Collection.
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![Die Thalbergsche Beschreibung (siebe oben) erweckt den Ein- druck, als ob er wirklich Eiterzellen in ihrer charakteristiscben Lagerung um die Gefasse vor sicb hatte. Daneben kann er aber auch dege- nerierende Zellen fur Eiterzellen angesehen haben; darauf sind die durcb Eiterzellen ersetzten innern Korner verdachtig. Im Treitel- scben Falle (siebe oben) bestand gleicbzeitig eitrige Meningitis, die freilich nur die dem beschriebenen gliomatosen Auge nicbt zugehorige Seite der Hirnhaut betraf. Da aber eitrige Prozesse immer mit einer allgemeinen Leukocytose einbergehen und bier ausserdem embolisch entstandene Metastasen, vom andern Auge herruhrend, nicbt auszu- schliessen waren, so ist es nicht unwahrscbeinlicb, dass ecbte Eiter- korperchen vorhanden waren. Ihr Yorkommen in der direkten Urn- gebung der Geschwulst, wie es im Treitelscben Falle bescbrieben wird, lasst aber aucb die Erklarung zu, dass sie die Folge einer reaktiven Entziindung seien, die der Tumor mit den von ihm ausgeschiedenen Toxinen an seiner Peripberie setzt. Bei Hosch (siehe oben) waren Blutergiisse in den Glaskorper erfolgt und infolge davon ware ein Einwandern von Phagocyten nicht zu verwundern. Einen Fall von Netzhautgeschwulst bescbrieb DaGamaPinto(3) als Komplikation eines Glioms mit Tuberkulose. Aber Jung (5) be- stritt den gliomatosen Charakter der Gescbwulst und erklarte die gliomartigen Gebilde fur Entziindungsprodukte tuberkulosen Ursprungs. Die Tuberkulose soil in der Chorioidea ihren primaren Sitz gebabt haben. Aber in unserem Falle lasst auch der Bau der Geschwulst den Gedanken an eine infiltrierende Tuberkulose nicbt zu, abgeseben davon, dass eine auf die .Retina beschrankte, dann jedenfalls hier primare Tuberkulose, die nur ganz sparlich auf die Chorioidea und den Optikus iibergreift, sehr selten ware. Als Vergleichsobjekt lassen sich die Tumoren der Chorioidea heranziehen. Die Literatur iiber die Aderhautsarkome ist vie] reicher an Beispielen fiir Kombination von Tumor mit Eiterung, als die Gliomliteratur. Diese Kombination hat vornehmlich von Leber und Krahnstover (7) eine eingekende Wiirdigung gefunden. Diese Autoren sind zunacbst der Ansicht, dass der Tumor primar, die Eiterung, die eventuell zur Phthisis bulbi fiihrt, sekundar sei. In unserem Falle ist die Eiterung sicher sekundar, denn es ist nicht anzunehmen, dass ein Gliom erst im neunten Lebensjahre seinen Anfang nimmt und dass es sich in so kurzer Zeit — die entziindlichen Erscheinungen da- tieren erst seit drei bis vier Wochen — entwickelt. Ist die Eiterung aber sekundar, so ist sie entweder zufallig mit dem Tumor kombi-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b30605696_0018.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


