Volume 1
Anatomischer Atlas der Pharmakognosie und Nahrungsmittelkunde / von Dr. A. Tschirch ... und Dr. O. Oesterle.
- Alexander Tschirch
- Date:
- 1893-1900
Licence: Attribution-NonCommercial 4.0 International (CC BY-NC 4.0)
Credit: Anatomischer Atlas der Pharmakognosie und Nahrungsmittelkunde / von Dr. A. Tschirch ... und Dr. O. Oesterle. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by King’s College London. The original may be consulted at King’s College London.
248/274 page 160
![]60 Das „Mesophyll, denn von einem solchen darf man ja wohl bei einem „Fruchtblatte sprechen, besteht aus 5 bis 9 Zellreihen. Die innere Epidermis besteht aus im Quer- schnitte i;[uadratischen gröfseren Zellen. Das Ovulum besitzt nur ein dickes Integument (ov, Fig. 0), welches ca. 10 Zellreihen breit ist (Fig. 12, 6 u. 7). Ihm liegt innen ein meist nur aus einer Zellreihe bestehender Nucellarrest an (Fig. 12, 8). Dann folgt der Embryosack (Ems, (Fig. 9). Der Bündelstamm, der vom Blütenstiel aus in die Basis der Frucht eintritt, entsendet von unten her in jede Costa einen Ast (r/fb, Fig. 9). Diese 10 Costalbündel entsenden dann an der Spitze des Fruchtknotens 10 Zweige in die 5 Stamina und die 5 Korollenblätter, Endigungen in das Stylopodium und an der Konimissuralseite 2 Äste in die Funiculi der Ovula. Diese letzteren werden zur Raphe der Samen (Ra, Fig. 18). Die Entwickelung des Fruchtknotens geht in der Weise vor sich, dafs die Schicht 1 — 5 (Fig. 12) zur Fruchtwand, die Schicht 6 zur Samenschale wird und die Schicliten 7 und 8 vom heranwachsenden Embryosack vollständig oder fast voll- ständig resorbiert werden. Nur an der Kommissuralseite bleiben sie erhalten (Fig. 18, 7). Die F r u c ]i t ist ein eiförmiges, von der Seite zusammen- gedrücktes Schizokarpium (Fig. 13, 14 u. 15), das in die Meri- karpien ziemlich leicht zerfällt. Jedes Merikarpium zeigt 5 Costae, die anfangs wellig gekerbt, später ausgeschweift sind. Zwischen denselben liegen die breiten VaUeeulae, die, ein für Conium charakteristischer Befund, keine Vittae führen. An der Kommissuralseite ist die Fruchtwand eingestülpt. Da- durch erhält aucli der Same eine Einstülpung, bezw. Längs- furche und sein Querschnitt erscheint daher rundlich-herz- förmig (Fig. 15). Dies ist für die Gruppe der Campylospermae charakteristisch. Das Karpophor {cph in Fig. 15 u. 16) differenziert sich aus dem Kommissuralgewebe. Es ist oben zweischenkelig und besteht vorwiegend aus Bastfasern. An der Kommissur lösen sich die Merikarpien und die Karpophorschenkel. Die Frucht wand ist von einer grofszelligen Epidermis bedeckt {Ep, Fig. 18). Die Zellen dieser Epidermis besitzen eine feinfaltige Kuticula [cut, Fig. 18), die als gestrichelte Zeichnung auf der Flächenansicht sichtbar ist (Fig. 19). Hier und da sieht man Spaltöffnungen (st, Fig. 19). Auch sind, allerdings wohl nur bei wenigen Früchten, einige Epidermis- zeUen in den Valleculis papillös vorgestülpt oder breite mehr- zellige Höcker entwickelt (Fig. 18 au. 19, Bei anderen Früchten (Fig. 18) findet man nichts dergleichen. Unter der Epidermis folgt ein gestrecktes, in der unreifen Frucht Stärke und Chlorophyll führendes, später stärkefreies und durch Chloro- phyllan im Inhalt gebräuntes Parenchym {Par^ Fig. 18, 3), dessen Zellen bisweilen infolge des stark heranwachsenden Samens Obliteration zeigen. In den Costae Liegen die Ge- fäfsbündel. Dieselben bestehen aus einem centralen Bast- fasei-strange (B, Fig. 18), dem beiderseits, rechts und links, je ein schmaler Siebteilsti-ang [sb, Fig. 18) und zu innerst eine Gruppe Gefäfse (gf, Fig. 18) angelagert ist. Die Bastfasern sind die typischen {B, Fig. 17), die Gefäfse sind meist Spiral- gefäfse. Sowohl in der Nähe dieser wie der Bastzellen finden sich kürzere oder längere Netzleistenzellen [x, Fig. 17). Yor jedem Bündel liegt (nach aufsen hin) ein kleiner schizogener Sekretgang {scb, Fig. 18). Weiter nach innen liegen dann zwei sehr eigentümliche Zellschichten, deren Inhalt sich Reagentien gegenüber etwas verschieden verhält, die aber beide Alkaloide zu enthalten scheinen. Die äufsere der beiden Schichten (l'ig. 18 u. 21, 4) besteht aus im Querschnitte stark tangential- gestreckten Zellen, die innere (Fig. 18 u. 21, .'>) aus mehr quadratischen Zellen. Die trennende Wand beider Schichten ist sehr dick, die äufsere Wand der Schicht 4 sehr dünn. Im radialen Längsschnitte erscheinen die Zellen der äufseren quadratisch (Fig. 17, 4), die der inneren tafelförmig (Fig. 17, &). Ihre Flächenansicht zeigt Fig. 20, 4 u. 5. Die Wände dieser Zellen, besonders die von Schicht 5, sind gebräunt, die Zellen beider Schichten mit einer zarten Suberinlamelle innen aiisgekleidet (Fig. 21). Die innere Schicht (ö) enthält eine aus Öltropfen und einer körnigen Masse gemischte Inhaltsmasse, die äufsere (4) körnigen Inhalt. Mit Osmiumsäure färbt sich der Inhalt der Schicht 5 sofort tief schwarz, lange bevor die Bräunung im Endosperm eintritt. Untersucht man eine nicht ganz reife Frucht, zu der Zeit also, wo dieselbe am coniinreichsten ist, so bewirkt Vanadinschwefelsäure (Lösung von Ammoniumvanadinat in konzentrierter Schwefelsäure) in der Schicht 4 eine bläuliche Färbung, Jodjodkali eine rötlich - braune Fällung, Kaliumwis- niutjodid eine deutliche rötlich - braune Fällung, Pikrinsäure eine körnige Fällung, Osmiumsäure eine Bräunung. Diese Reaktionen treten aber auch mehr oder weniger in dem Par- enchym der Fruchtwand und ganz besonders deutlich in der Epidermis ein, in der auch Kaliumquecksilberjodid und Phos- phormolybdänsäure farblose Fällungen erzeugen. In der Schicht 5, die gewöhnlich als Coniinschicht be- zeichnet wird, erzeugt konzentrierte Schwefelsäure eine gelbe Farbe, Vanadinschwefelsäure eine starke, fast blutrote Färbung, Phosphormolybdänsäuro eine orangefarbene, Jodjodkali eine starke braune Fällung, Kaliumquecksilberjodid eine starke farb- lose, Eisenchlorid eine körnige bräunliche, Kaliumbichromat eine gelbbraune, 4proz. Chromsäure eine körnige rotbraune, Kaliumwismutjodid eine sehr starke rötlich-braune, Jodsäure eine starke körnige, rotbraune Fällung. Osmiumsäure färbt sofort schwarz. Behandelt man die Schnitte einige Stunden mit Alkohol, der mit Weinsäure angesäuert wurde, so treten in der Epi- dermis, dem Fruchtwandparenchym und der Schicht 4 mit Schwefelsäure, Vanadinschwefelsäure, Jodjodkali nur noch sein* geringe oder gar keine Färbungen oder Fällungen hervor, in den Zellen der Schicht 5 tritt mit konzentrierter Schwefelsäure eine gelbe, mit Vanadinschwefelsäure eine rote Farbe, mit Jodjodkali eine starke schwarzbraune, undeutlich körnige Fäl- lung ein. Aus diesen Reaktionen möchte ich den Schlufs ziehen, dafs das Coniin CgHj^N nicht auf die sogenannte Coniinschicht (Schicht 5) beschiänkt ist, sondern auch in der übrigen Frucht-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21296753_0001_0248.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


