Encyclopædie der Naturwissenschaften. Abt. 2, T. 2, Handwörterbuch der Pharmakognosie des Pflanzenreichs / herausgegeben von G.C. Wittstein.
- Georg Christian Wittstein
- Date:
- 1882 [pref. 1883]
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Credit: Encyclopædie der Naturwissenschaften. Abt. 2, T. 2, Handwörterbuch der Pharmakognosie des Pflanzenreichs / herausgegeben von G.C. Wittstein. Source: Wellcome Collection.
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![ist nie so rein wie die vorige, und enthält noch reichlich spinngewebeartig wollige Aestchen und auch fremde Beimengungen; in Masse gesehen, hat sie eine gelbbräunliche Farbe. Eine Abart charakterisirt sich durch diciiten, grauweissen Ueberzug. 3. Die barbarische Droge. Sie kommt, wiewohl nur selten, vom nord- westlichen Afrika über Livorno in den Handel. Ist ein bräunlich-weissgraues, durch reichliche Behaarung locker zusammenhängendes Gemenge von zer- brochenen Aestchen, Blättern und noch sehr wenig entwickelten Blüthenköpfchen, durch Abstreifen der noch nicht aufgebliithen Pflanze erhalten. Die mehr aus- gewachsenen Köpfchen sind rundlich-eiförmig, graubräunlich, durch reichliche Behaarung fast weisslich-grau, mit stumpfen Hüllkelchschuppen, deren untere rundlich, deren obere eiförmig sind, und i—3 sehr kleine Blüthenknospen um- schliessen. Schleiden führt noch einen ostindischen Wurmsamen mit fast kiellosen, häutigen, inneren Kelchschuppen auf. Wesentliclie Bestandtheile. Nachdem die Untersuchungen von Tromms- LxjRFF s. u. j., Wackenroder Und Geiger als Bestandtheile des Wurmsamens ätherisches Oel, Bitterstoff, Harz, Gummi, Wachs, eisengrünenden Gerbstoff, Essig- säure etc. ermittelt hatten, folgte als wichtigstes analytisches Ergebniss i. J. 1830 von Kahler und kurz darauf (1831) auch von Alms die Entdeckung des San- to nins, welches der Hauptrepräsentant der anthelminthischen Wirkung der Droge ist. Dasselbe wurde dann noch näher untersucht von Heldt, Peretti, Hautz, Banfi, Sestini u. A., und bekam wegen seiner mehr sauren Natur den Namen Santoninsäure. Mit dem ätherischen Oele beschäftigten sich auch Voelkel, HiRZEL, Kraut und Wahlfors. Verwechselungen und Verfälschungen. Gemäss der obigen drei Be- schreibungen können Verwechselungen der ersten Sorte mit der zweiten und dritten leicht erkannt und vermieden werden. Sonstige Verfälschungen, von denen noch in den Büchern die Rede ist, wie mit den Blüthen des Tanacctiun, der SantoUna, Artemlsia cainpestris, kommen, wegen ihrer zu grossen Augenfällig- keit, nicht mehr vor. Anwendung. In Substanz, meist als Latwerge. Zur Bereitung des Santonins, ätherischen Oeles. Geschichtliches. Eine Art Wurmsamen scheinen die Alten schon ge- kannt zu haben, und deutet man das 'Ai];ivi}tov tovtoviov des Dioskorides auf die in Kleinasien, Aegypten, Arabien, Palästina und Numidien vorkommende Artc- niisia jttdaica L. Nach Europa scheint er aber erst während der Kreuzzüge gelangt zu sein, und wahrscheinlich war es der barbarische, welchen man zuerst erhielt. Wegen Artemisia s. den Artikel Beifuss. Cina, Cyna, Sina sind Namen, welche von der irrigen Ansicht herrühren, die Droge komme aus China. Zittwer nannte man die Waare, weil man eine Aehnlichkeit im Geruch und Geschmack mit der Zcdoaria gefunden zu haben glaubte, was aber keineswegs zutrifft. Santonica kommt vom italienischen santo (lieilig), oder vielmehr vom tür- kischen santon (ein Heiliger), d. h. ein heiliges Kraut, entweder in Bezug auf seine medicinischen Kräfte, oder weil es (zuerst) zu uns aus dem heiligen Lande (Palästina) gelangte. Wohl aus beiden Gründen hiess der Wurmsame früher auch Semen sanctum.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21778826_0943.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


