Encyclopædie der Naturwissenschaften. Abt. 2, T. 2, Handwörterbuch der Pharmakognosie des Pflanzenreichs / herausgegeben von G.C. Wittstein.
- Georg Christian Wittstein
- Date:
- 1882 [pref. 1883]
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Credit: Encyclopædie der Naturwissenschaften. Abt. 2, T. 2, Handwörterbuch der Pharmakognosie des Pflanzenreichs / herausgegeben von G.C. Wittstein. Source: Wellcome Collection.
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![Ziest, aufrechter. (Abnehmkraut, Berufkraut, Beschreikraut, Gliedkiaut.) Herba Sideritidis. Stachys recta L. (St. Betonica'ücov., St. bufonia Thuill., St. procumbeiis Lam., St. Sideritis Vill.) Didynamia Gyiiinospennia. — Labiatae. Perennirende Pflanze mit ästiger, faseriger, hellbrauner Wurzel, die mehrere 30—45 Centim. lange und längere, an der Basis gebogene, dann gerade aut- steigende, einfache oder ästige, steife, gefurchte, rauhhaarige, unten häufig violett- roth angelaufene, beblätterte Stengel treibt. Die unteren Blätter verschmälern sich in einen Stiel, die oberen sind sitzend, 4—5 Centim. lang und länger, 6 bis 12 Millim. breit, eilanzettlich, stumpf, nach oben zu spitzer werdend, stumpf-und kleingesägt, mehr oder weniger rauhhaarig, runzelig, oben dunkelgrün, unten blasser ins Gelbliche. Die Blumen stehen am Ende der Stengel und Zweige in 10—i4blüthigen Quirlen und bilden an der Spitze 5—10 Centim. lange, cylin- drisch-kegelförmige, unten unterbrochene, beblätterte Aehren mit 2—3 entfernt stehenden Quirlen; die Nebenblätter sehr klein, borstenförmig, die behaarten Kelche hell gelbgrihilich, die Kronen noch einmal so lang, gelbhch weiss, der gewölbte Halm ganzrandig, auf beiden Seiten des Schlundes mit schönen violetten Strichen, die untere Lippe mit ähnlichen Punkten zierlich gezeichnet. Die Staub- gefässe neigen sich (wie übrigens bei allen Arten der Gattung (Stachys) nach dem Auswerfen des Pollens auf beiden Seiten nach aussen. — Häufig an sonnigen, rauhsteinigen Orten, in Hecken und Gebüschen, am Rande der Wälder. Gebräuchlicher Theil. Das blühende Kraut, welches von dieser Pflanze, nicht von Sideritis hirsuta gesammelt werden soll. Trocken hat es ein grau- grünes ins Gelbliche gehendes Ansehen, und ist ziemlich dicht mit weisslichen etwas rauhen Haaren besetzt. Geruch eigenthümlich, riecht angenehm aromatisch, wird durch Trocknen schwächer, aber angenehmer. Geschmack bitterlich, etwas herbe und kratzend. Wesentliche Bestandtheile. Aetherisches Oel, Bitterstoff, eisengrünender Gerbstoff. Nicht näher untersucht. Verwechselungen, i. Mit der sehr ähnlichen St. annua; .der Stengel ist aber meist niedriger, dünner, fast glatt, die unteren Blätter lang gestielt, im Verhältniss breiter, elliptisch-lanzettlich, spitzer, vorn schärfer gesägt, die obersten ganzrandig, 3—5 nervig, nicht runzelig, glatt, ebenfalls gelbgrün. Die Blüthen stehen in mehr getrennten, lockeren, öblüthigen Quirlen. Die haarigen Kelche haben längere borstenförmige Zähne, die Kronen weisslich mit ausgezeichnet gelberer Unterlippe mit rothen Punkten bestreut. Die Pflanze riecht etwas wider- lich; ihr Kraut war früher als Herba Sideritidis minoris officinell. — 2. Mit Si- deritis hirsuta, s. den Artikel Berufkraut, haariges. Geschichtliches. Stachys recta wurde in die Officinen aufgenommen, weil Leonh. Fuchs, der zu seiner Zeit in grossem Ansehen stand, sie für die erste 2ioy]ptTic des DiosK. erklärte; doch stimmten nicht Alle dieser Ansicht bei, indem Fabius Columna dafür St! Heraclea L., Clusius aber Sideritis scordioides nahm. Die wahre ^toc/u.? des DiosK. hält man für St. palaestina L., Fraas in- dessen entscheidet sich für St. germanica, denn cpuXXa oiroaxpo-fi'UÄa (rundliche Blätter) nach Diosk. geht nicht auf St. palaestina L. — 'Etepa SioirjptTi? (irptTT])](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21778826_0950.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


