Altes und Neues über Pepsinbildung, Magenverdauung und Krankenkost gestüzt auf eigene Beobachtungen an einem gastrotomierten Manne.
- Aleksandr Herzen
- Date:
- 1885
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Credit: Altes und Neues über Pepsinbildung, Magenverdauung und Krankenkost gestüzt auf eigene Beobachtungen an einem gastrotomierten Manne. Source: Wellcome Collection.
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![bringt mithin keinen Nachteil, wenn man die Salzsäure bevorzugt, de sie diejenige ist, welche sich gewöhnlich im Magensaft vorfindet, und man ganz einfach anstatt des reinen Wassert die Salzsäure-Limonade — llJ2 — 2 Säure pro mille enthaltendes Wasser — als ständiges tränk den Kranken reicht. Auf diese Weise ist man sicher, daß in jedem Falle und stets eine Dosis Säure vorhanden ist, welche zur schnellsten und vollständigsten Ausnutzung des vorhanden]! Pepsins und der eingeführten Albuminate hinreicht; diese letzteren werden durch die Säure erweicht, aufgelockert und syntoninisiert, d. h. sie werden leicht zugänglich gemacht für die geringsten Pepsinspuren, welche sich noch in dem von der Magenschleimhaut secernierten Saft vorfinden können. Alles dieses ist gut, solange es nur Wasser und Säure sind, die mangeln, und so lange als man annehmen kann, daß noch, oder von neuem eine wenn auch beschränkte Pepsinproduktion stattfindet, wie das im Beginne der Krankheit der Fall ist, wo das Fieber noch unbedeutend ist, oder im Endstadium, wenn das Fieber merklich an Intensität verloren hat und die Pepsinproduktion vielleicht wieder in Gang gekommen ist. In diesen beiden Fällen kann man hoffen eine wenn auch noch so schwache Peptonisation wenigstens eines Teiles der eingeführten Albuminate zu erhalten, und hier allerdings ist die Wahl des Nahrungsmittels in der That von großer Wichtigkeit. Man wird natürlich diejenigen Fleischsorten aussuchen, welche erfahrungsgemäß die am leichtesten verdaulichen sind, man wird sie nicht gekocht verabreichen, wodurch sie viel widerstandsfähiger werden, sondern gebraten und halb roh oder gar ganz roh. Die rohe Muskelfaser verhält sich sauren und peptischen Flüssigkeiten gegenüber auf ähnliche Weise wie das Blut- fibrin: sie lockert sich schnell und beträchtlich auf und peptonisiert sich verhältnismäßig mit großer Schnelligkeit — weniger schnell jedoch als das Fibrin. Auch würde ich keinen Anstand nehmen, ein wie ich glaube wenig gebrauchtes Nahrungsmittel, wenn es überhaupt jemals angewandt worden ist, zu verabreichen, zumal da sich dessen Gebrauch der Theorie nach von selbst empfiehlt und da seine Güte sich auch praktisch in einigen Fällen von hartnäckiger Dyspepsie, in welchen ich es verwendete, bewährt hat. Man weiß, daß das durch H Cl aufgelockerte Blutfibrin in einigen Augenblicken bis zu dem Grade durch die geringsten Pepsinspuren verdaut wird, daßBuüCKE geglaubt hatte, es könne eine unend- lich kleine Menge Pepsin eine unendlich große Menge Fibrin peptonisieren ; das ist natürlich ein Irrtum, es gibt vielmehr eine Grenze, welche nicht überschritten werden kann; fest steht aber, daß keine bekannte Sub- stanz sich ebenso schnell und ebenso leicht peptonisiert. Es besteht auch keine Kontraindikation, welche es verbietet, den Kranken in Salz- säure aufgelockertes Rinderblutfibrin, welches man sich überall und zu jeder Zeit verschaffen kann, zu verabreichen. Man muß es jedoch ge- hörig zubereiten, besonders muß es von dem vorhandenen Hämoglobin be- freit werden ; denn es ist merkwürdig, bis zu welchem Grade hämoglo- binhaltige Fibrinflocken der Verdauung widerstehen. Das Verfahren ist übrigens sehr einfach: man erhält das Fibrin durch Peitschen des aus einem eben geschlachteten Rinde ausströmenden Blutes, und bekommt es](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21218924_0065.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


