Beiträge zur Anatomie des Menschen mit Beziehung auf Bewegung. 1. Heft / von Phil. Jak. Wilhelm Henke.
- Henke, Philipp Jakob Wilhelm, 1834-1896.
- Date:
- 1872
Licence: Public Domain Mark
Credit: Beiträge zur Anatomie des Menschen mit Beziehung auf Bewegung. 1. Heft / von Phil. Jak. Wilhelm Henke. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by The Royal College of Surgeons of England. The original may be consulted at The Royal College of Surgeons of England.
38/68 page 34
![fest aufliegt, natürlich nicht der Fall sein würde. Jedenfalls versteht es sich aber von selbst, dass Flüs- I sigkeit in oder vor beiden Muskeln sich nicht durch die Fascie in das Subserosium, sondern stets erst | hinter der Fascie und unter dem Bauchmuskelrande durch ergiesst, ehe sie die Bedeckung ausdehnt oder I durchbohrt. Am wenigsten auf diesem Wege findet aber wohl die reichliche Communication des Bindegewebes ' im Bauch und Becken mit dem der Beine statt, von welcher Bichat redet. Denn er hat dabei doch ] wohl immer vorzugsweise nicht die Spalte des Psoas, sondern das subperitoneale Gewebe im Auge. Von diesem aber geht die Verbindung nach aussen nicht sowohl indirect durch die immerhin sehr abgeschlos- ; sene Prämuscularspalte, sondern unmittelbar hängt das subseröse Gewebe im Becken oder Unterbauch mit dem subcutanen und intermusculären der Extremität zusammen, und zwar auf den beiden Wegen, welche auch der Zusammenhang der Gefässe und Nerven, die ja stets continuirlich in lockeres Gewebe eingebettet sind, verfolgt, unter dem Schenkelbogen und durch die Apertura isdiiadica major. Den grossen Schenkelgefässen entlang geht das subseröse Gewebe, in dem sie am Psoas entlang verlaufen, aus der Oeffnung unter dem Schenkelbogen theils durch den Ausschnitt der sogenannten Plica falciformis direct in das subcutane (Taf. IV, Fig. 1), theils wieder hinter das sogenannte untere Horn derselben, über wel- chem V. cruralis und saphena sich verbinden, in das intermusculäre der Vorderseite des Oberschenkels über. In der Apertura ischiadica aber, sowohl oberhalb als unterhalb des M. pyriformis, also entlang den oberen Gelassen am Ende der Incisur und den unteren über der Spina ischii, welche hier von der Hypo- gastrica herauskommen, ist Communication des lockeren Gewebes im Becken mit dem intermusculären hinten am Oberschenkel, sowie auch unter dem Lig. tuheroso-sacrum und M. glutaeus maximus hindurch mit dem subcutanen, namentlich des Dammes unterhalb des Diaphragma pdvis (Taf. VI, Fig. 1). Eine directe Communication des Gewebes oberhalb und unterhalb des Diaphragma pdvis existirt nicht. Wo zwischen dem Levator ani und Coccygeus gewöhnlich eine ziemlich deutliche Spalte oder Lücke ist, hängt doch die bekleidende Fascie dicht zusammen (Taf. IV, Fig. 2), und wo die Kanäle der Ein- geweide durch den Schlitz des Levator ani treten, da geht diese Fascie von dem letzteren auf ihren Ueberzug so zusammenhängend über, dass man eben deshalb beide als letzte festere Auskleidung des Beckengrundes unterhalb des Bauchfellumschlages als ein Continuum unter dem Namen der Beckenfascie zusammengefasst hat. Ausserdem könnte das lockere Gewebe des Subserosiums sich noch durch den Leistenkanal nach aussen öffnen, und es dringt auch in ihn ein, tritt aber nicht wieder frei aus ihm hervor, sondern hängt so nur mit dem innerhalb der Tunica vaginalis communis beim Manne zusammen, und dem Lig. uteri rotundum entlang ist natürlich erst recht keine freie Oeffnung nach aussen. Denn der Leistenkanal ist, wie dies Henle*) sehr deutlich erklärt hat, kein die Bauchwand einfach durch- setzender Weg mit einer Oeffnung innen und aussen. Endlich haben wir noch nach den Communicationen des Bindegewebes in der Bauchhöhle mit dem in der Brust zu fragen. Vom Subgerosium durch die Hauptlöcher des Zwerchfelles ist dieselbe jeden- falls nur unbedeutend. Die Vena cava ist im Foramen quadrilaterum rings recht fest angeheftet; Oeso- phagus und Aorta in ihren Schlitzen freilich nicht, aber sie füllen sie doch sehr anschliessend aus. Auch die spaltförmigen Lücken zwischen den Zwerchfellbündeln am unteren Ende des Brustbeines kommen wohl wenig in Betracht, da ihnen unterhalb gar kein lockeres subperitoneales Gewebe anliegt. Die Haupt- stelle, wo der Abschluss weniger vollkommen ist, liegt zwischen den Wirbel- und Rippenursprüngen, also hinter der Niere. Hier kann das Gewebe im hinteren Mediastinum und entlang der unteren Umschlags- falte der Pleura von der Brustwand auf das Zwerchfell sich zwischen ihnen durch sehr leicht in den Bauch öffnen; aber dann doch immer zunächst nur in den Prämuscularspalt des Quadratus und Psoas, denn in der Lücke zwischen dem festen Ursprünge an Wirbeln und Rippen hängt doch die mehr oder weniger ergänzende Verbindung derselben durch Muskel- oder Sehnenfasern immer abwärts noch mit dem Ueberzuge des Quadratus und Psoas zusammen (Taf. V, Fig. 3 — 5), so dass, wenn sich hier etwas hinter ihr hinabdrängt und sie abhebt, dies doch immer nur vor der Vorderfläche der Muskeln weiter hinab, aber nicht frei hinter der Niere sich ergiesst. Daher denn bekanntlich Senkungen aus der Brust Muskellehre. S. 73.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22393523_0040.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


