Die chirurgische Anatomie in ihrer Beziehung zur chirurgischen Diagnostik, Pathologie und Therapie : ein Handbuch für Studirende und Ärzte ; Heft I. Die obere Extremität / von Max Schüller.
- Schüller, Max, 1843-1907.
- Date:
- 1885
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Credit: Die chirurgische Anatomie in ihrer Beziehung zur chirurgischen Diagnostik, Pathologie und Therapie : ein Handbuch für Studirende und Ärzte ; Heft I. Die obere Extremität / von Max Schüller. Source: Wellcome Collection.
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![Adductionsbewegungen, Kegelmantelbewegungen, Bowie minimale Rotationen um die Längsaxe der Phalanx (sowohl bei massiger Beugung wie in der Streckung) möglich. Bei allen den vorher beschriebenen Bewegungen sind unter den gewöhn- lichen Verhältnissen dos Gebrauches der Band nicht nur die ^|»<■«• i<* 11 dafür bekannten Muskeln betheiligt, sondern stets ooeh mehrere. Dieselben treten besonders bei kraftvoller Action mit in Thätigheit; bo bei der Beu- gung wie l>ri der Streckung der Hand aeben den Handbeugen] und Streckern auch die zu den Fingern gehenden Beuger und Strecker. An der Radial- flexion betheiligen sich neben den radialen Handstreckern und Handbeugern auch die langen Daumenmuskeln, an der Dinarflexion der ulnaren Hand- beuger und Strecker. Die Beugung in dem 2. 5. Metaearpo-I'halangeal- gelenke vollführen wesentlich die fnterossei und Lumbricaies, sie strecken alicr zugleich die Pingergelenke. Die Beugung ^les oberen [nterphalangeal- gelenkes besorgt der sich mit seiner Sehne an die Basis der Mittelphalanx ansetzende oberflächliche Fingerbeuger, <lie Beugung i\^s unteren [nter- phalangealgelenkes der am Endgliede endende tiefe Fingerbeuger. An der Spreizung der Finger sind die [nterossei ebenso wie die Fingerstrecker, an dem Schliessen der Finger jene mit den Fingerbeugern betheiligt, u.s.f. - Deberdies gerathen regelmässig bei den verschiedenen Bewegungen die Antagonisten in Spannung, und zwar um so mehr, je kraftvoller die Be- wegungen ausgeführt werden. Alles dessen hat man sieh bei der Unter- suchung wie bei der Behandlung von Muskelverletzungen in Folge ge- waltsam angestrengter Bewegungen zu erinnern; — worauf wir schon bei anderer Gelegenheit hingewiesen haben '). Lähmungen der Muskeln oder der sie innervirenden Nerven führen nicht nur zu entsprechenden Bewegungsstörungen, sondern häufig auch zu eigentümlichen Veränderungen der normalen Haltung, beson- ders der Finger, indem nach der Lähmung nun die Wirkung antago- oistischer Muskeln einseitig zur Geltung kommt. Vergegenwärtigt man sich die normalen Verhältnisse, so werden sich die nach den Lähmungen des Medianus, ülnaris, Radialis, oder einzelner Muskelgruppen entstehenden Veränderungen leicht entwickeln und verstehen lassen. Wir nennen unter Verweisung auf die einschlägigen Werke über Nervenerkrankungen hier nur beispielshalber die Radialislähmung. Hierbei bangt die Hand lose in massiger Volarbeugestellung, sie kann nicht gestreckt werden. Die Mittelhandfingergelenke sind gebeugt in Folge der Einwirkung der In- fcerossei; sie können nicht gestreckt werden, wohl aber die Fingergelenke durch die vom ülnaris innervirten [nterossei. Bei der Ulnarislähmung wer- den in Folge der Lähmung der [nterossei die Finger in den Mittelhandfinger- gelenken dorsalflectirt durch den Zug der Strecker, in den fnterphalangeal- gelenken durch den Zug der Beuger llectirt. Hierdurch entsteht eine ') Vergl. /. U. S. 211. 226.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21207860_0367.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)