Die chirurgische Behandlung von Hirnkrankheiten / Von Ernst von Bergmann.
- Ernst von Bergmann
- Date:
- 1899
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Credit: Die chirurgische Behandlung von Hirnkrankheiten / Von Ernst von Bergmann. Source: Wellcome Collection.
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![nach dem Herausziehen des Troikart ein Tröpfchen dicken, gelblichen Eiters. Es wurde deshalb die Dura angeschnitten, die mit der Arachnoidea und Hirn- substanz fest verklebt war. Die Gehirnsubstanz zeigte sich ausserordentlich weich, die weiche Hirnhaut und die äusserste Lage der Rindenschicht waren gelbgrün verfärbt und von Eiter durchsetzt. Ein 1,5 cm tief in das Gehirn, nach innen und vorn geführter Schnitt förderte keinen Eiter zu Tage. Jodo- formgazeverband. Nach der Operation begann sofort das Bewusstsein sich aufzuhellen und das Erinnerungsvermögen langsam zurückzukehren. Oert- lich ging die Heilung gut von statten. Die brandigen Durafetzen wurden ent- fernt und auch die Arachnoidea und die oberflcächliche Hirnrindensubstanz stiessen sich ab. Nach Verlauf von nicht ganz zwei Monaten war und blieb Patient geheilt. Mit einem, immer wichtiger werdenden, neue]i, diagnostischen Hülfsmittel hat uns Quincke's Liimbalpunction beschenkt. In zwei Fällen meiner Praxis, wo meine Diagnose zwischen Hirn- abscess und diffuser Meningitis schwankte, füllte sich bei der Func- tion die Spritze mit dünnem Eiter und entschied dadurch die Frage. Leutert^) hat die Bedeutung dieser diagnostischen Function richtig gewürdigt. Vermehrte klare Flüssigkeit zeigt als Ursache der schweren Hirnsymptome den erhöhten Hirndruck an, getrübte Flüssigkeit, mit Eiterkörperchen und Micrococcen im Sediment, die ]\reningitis. Tuberkelbacillen in der Functionsflüssigkeit würden die Fälle klarstellen, in welchen neben der Ohreneiterung eine tuber- culöse, basilare Meningitis auftritt, ein mehrfach schon beobachtetes Vorkommniss-). Ausser der eitrigen und der tuberculöscn Meningitis complicirt die Ohreneiterungen, namentlich die acuten und die chronischen mit acuten Schüben verlaufenden, die erst in neuester Zeit bekannt gewordene seröse Meningitis, oder der acute Hydrocephalus internus. Wir haben schon S. 153 seine Beziehungen zu Hirnabscessen und zur Meningitis kennen gelernt. Ich meine v. Beck hat nicht Unrecht, wenn er diese Ergüsse mit den serösen Synovitiden der Gelenke wäh- rend einer acuten Osteomyelitis vergleicht. V. Beck's 14jähriger, mit chronischer Otorhoe behafteter Patient er- krankte mit Kopfschmerz und Benommenheit. Von Zeit zu Zeit schrie er auf. Erbrechen, aber kein Fieber, Puls 60. Hypereasthesia universalis, aber keine Bewegungsstörung. Beiderseitige Stauungspapille, Analysiren wir einen l)Leutert: Archiv für Ohrenheilkunde. Bd. 41. 1895. S. 289. 2) llenoch: Vorlesungen über Kindorkranklieiten. 2. Aull. S. 239.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2104143x_0614.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


