Die Rinderpest : nach eigenen Untersuchungen und unter kritischer Benutzung der alten Erfahrungen und neueren Beobachtungen bearbeitet / von A.C. Gerlach.
- Gerlach, Andreas Christian.
- Date:
- 1867
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Credit: Die Rinderpest : nach eigenen Untersuchungen und unter kritischer Benutzung der alten Erfahrungen und neueren Beobachtungen bearbeitet / von A.C. Gerlach. Source: Wellcome Collection.
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![und das Mittel so theuer, dass es für die Viehställe weiter nicht'in Betracht kommen kann. 3) Schweflige Säure. In Wasser gelöst zum Waschen etc., als Gas in Stallräumen, durch Verbrennen des Schwefels entwickelt, zweckmässig. 4) Kali-, resp. Natronlaugen. Die Lauge ist ein vorzügliches Keinigungsmittel, und hier- durch, zugleich aber auch durch die chemische Einwirkung auf den Ansteckungsstoff ein wichtiges, unentbehrliches Desinfections- mittel. Die Kalilauge bereitet man am zweckmässigsten und bil- ligsten, wenn man J/2 Pfund Pottasche mit ]/2 Pfund Kalkhydrat gemengt in einem Eimer voll heissen Wasser einrührt, das Auf- rühren einige Mal wiederholt und absetzen lässt. Bei Natronlauge muss statt Pottasche Soda genommen werden, jedoch auf ’/2 Pfund Kalkhydrat 1 Pfund Soda u. s. w. 5) Die Theerproducte der trocknen Destillation. Carbol- oder Phenylsäure, phenylsaures Natron, phenylsaurer Kalk, Kressylsäure, Kreosot etc.; in neuerer Zeit besonders als Desinfectionsmittel empfohlen. Croker will durch praktische (?) Versuche die Carbolsäure am wirksamsten gefunden haben. Ich habe Desinfectionsversuche mit Botzmateri» angestellt und die Carbolsäure wirksam befunden; ob sie auch bei dem Pestcontagium eine entschiedenere Wirkung hat, ob alle die genannten Producta der trocknen Destillation ebenso gute Anticontagien als sie Anti- septica sind und das Chlor ganz ersetzen können, darüber fehlen noch die Erfahrungen. Ueber diese künstlich zur Anwendung kommenden Desinfectionsmittel gellen gegenwärtig die Ansichten und Behauptungen weit aus einander, was der Eine rühmt, das verwirft der Andere, und so weiss Niemand, der nicht an seinen eigenen Erfahrungen ein festes Fundament gewonnen hat, so recht, was er glauben und thun soll. Die Ursache dieser Zerfahrenheit liegt einmal in der Neigung, alles Neue mit grossen Hoffnungen aufzunehmen, es auf Kosten des Alten zu rühmen und ohne exacte, d. h. in jeder Beziehung ein- wurfsfreie Versuche und klinische Beobachtungen als unreife Früchte in die 0Öffentlichkeit zu bringen, vor allem aber darin, dass man bei der Desinfec- tion ganz heterogene Dinge confundirt und so auf dem Wege der theore- tischen Deduction zu ganz falschen Resultaten kommt. Man hält Fäulniss, Luftverderbniss durch Fäidnissproducte und Contagium nicht aus einander, alle hiergegen in Anwendung kommenden Mittel nennt mau Desinfectious- mittel. Der vage Begriff' von Desinfection trägt die Schuld; dem Chemiker ist diese Confusion deshalb nicht zu verargen, der Mediciner aber muss sichten,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22354426_0202.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


