Die Rinderpest : nach eigenen Untersuchungen und unter kritischer Benutzung der alten Erfahrungen und neueren Beobachtungen bearbeitet / von A.C. Gerlach.
- Gerlach, Andreas Christian.
- Date:
- 1867
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Credit: Die Rinderpest : nach eigenen Untersuchungen und unter kritischer Benutzung der alten Erfahrungen und neueren Beobachtungen bearbeitet / von A.C. Gerlach. Source: Wellcome Collection.
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![Anticontagia können wir nur auf empirischem Wege finden, wir können uns durch die bekannten chemischen Eigenschaften nur leiten lassen, mit diesem oder jenem Mittel zu experimentiren. Die besten Desinfectionsmittel bleiben übrigens erfolglos, wenn sie nicht mit Umsicht und Sachkenntniss angewendet werden, von dem Desinfectionsverfahren hängt die Tilgung der Rinderpest im- mer wesentlich mit ab, deshalb hier noch einige allgemeine Regeln. 1) Man beginnt mit der Entfernung, resp. Vernichtung aller Gegenstände, die schwer zu desinficiren oder einer mühevollen Des- infection nicht werth sind. Dünger, Heu und Stroh, sowie alle werthlosen Stallutensilien und andere Gegenstände von Holz etc. werden am besten verbrannt; der Hofdünger wird auf die Felder gebracht, ausgebreitet und vor acht Tagen nicht unterge- pflügt; bis dahin müssen natürlich alle Wiederkäuer von solchen Feldern abgehalten werden, sei es auch durch eine besondere Wache. Durch sofortiges Unterpflügen, wie gewöhnlich vorge- schrieben, wird der Peststoff immer auf längere Zeit conservirt und der Zweck, den Dünger sofort unschädlich zu machen, selbst bei dem sorgfältigsten Unterpflügen doch nicht erreicht. 2) Nach dem Aufräumen die Reinigung im weitesten Umfange, am besten mit Kalilauge. Von nicht soliden Wänden und Decken muss selbst die obere Schicht abgehauen werden; ist der Fussboden nicht impermeabel, so ist er aufzunehmen und die Erde bis ]/2 Fuss tief zu entfernen. 3) Hierauf kommen die eigentlichen Desinfectionsmittel in Anwendung und zwar in folgender Reihenfolge: a. Zuerst die Gase, am besten das Chlorgas bei innigem Ver- schluss des Stalles auf 12—24 Stunden. Es handelt sich liier keineswegs um die Desinfection der Luft, diese desinficirt sich beim Pestcontagium immer selbst, sondern um das Hineintreiben des gasförmigen Zerstörungsmittels in alle Oeffnungen, Fugen und Poren. b. Darauf lassen wir das natürlichste und specifischeste Desinfectionsmittel, die Luft, einwirken, die aber ihre Wirkung am vollkommensten ausübt, wenn sie in Bewegung gesetzt ist, deshalb Luftzug. Dieses Auslüften muss mindestens acht Tage dauern, je länger aber, desto besser. In feuchten Ställen kann, wenn die Beschaffenheit derselben es gestattet, ab und an Feuer angemacht werden, um das Austrocknen zu fördern, zumal wenn](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22354426_0204.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


