Copy 1, Volume 1
Handbuch der Physiologie des Menschen fur Vorlesungen / [Joh Müller].
- Johannes Peter Müller
- Date:
- 1835-1840
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Credit: Handbuch der Physiologie des Menschen fur Vorlesungen / [Joh Müller]. Source: Wellcome Collection.
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![dann die Vorstellung vom Gälinen dazu, indem wir Andere gäb- neu selien, so wird die Disposition offenbar und wir gähnen wirklich. Bei dieser Bewegung ist wieder das System der respi¬ ratorischen Nerven und der Nervus facialis affiicirt, soAvohl die Gesichtsäste als derjenige, der sich im Musculus digastrlcus verbreitet. 2) Es ist der Sitz des Willenseinflusses. Denn wie die Ver¬ suche von Flourens zeigen, sind die Thiere, welche die Hemisphären des grossen Gehirns verloren haben, zwar betäubt, aber noch fähig, Bewegungen willkührlich auszuführen ; andrerseits behalten die Th iere diese Fähigkeit auch nach HiiiAvegnahme des kleinen Ge¬ hirns, wodurch bloss die Kraft der Bewegungen und die Fähigkeit zu zusammenhängenden OrtsheAvegungen aufgehoben Avird. Vergl. über hirnlose Missgeburten mit willkührllcher BeAvegung, oben p. 333., Mueller’s Archio 1834. p. 168. 3) In diesem Organe ist auch der Sitz des Empfindungsver¬ mögens; nicht allein dass alle Gehirnnerven, mit Ausnahme des ersten und zAvelten, mit den Fortsetzungen des verlängerten Markes im Gehirne oder mit diesem selbst Zusammenhängen, wird dieser Satz auch durch die Geschichte der Verletzungen der Hirntheile erwiesen. Aus den Versuchen von Magenuie und Desmouli]!<s geht hervor, dass ein Thier nach dem Verluste der Hemisphä¬ ren des grossen Gehirns und des kleinen Gehirns das Empfin- dungSA^ermögen nicht verloren hat. Mit der Hinwegnahme der Hemisphären werden zwar die Centralorgane des Gesichtssinnes und Geruchssinnes entfernt, und es tritt Blindheit ein; dagegen scheint das BeAvusstwerden der Empfindungen nicht an die He- mis])hären des grossen Gehirns geknüpft zu seyn. Flourens hat zwar aus seinen Versuchen über Hinwegnahme der grossen He¬ misphären geschlossen, dass diese Theile allein die Centralorgane der Empfindungen seyen, und dass ein Thier nach der Weg¬ nahme derselben gar nicht empfinde. Indessen folgt diess nicht aus seinen sonst so interessanten Versuchen, sondern gerade das Gegentheil, wie schon Cuauer in seinem Berichte über diese Ver¬ suche bemerkt hat. Es Avird zwar ein Thier nach dem Verluste der Hemisphären des grossen Gehirns stumpfsinnig, aber gleich¬ wohl zeigt es ganz deutliche Zeichen von Empfindung, nicht von blosser B.eflexion. Es bestimmt sich seihst nicht mehr zu Bewe¬ gungen, aber Avenn man es stösst, zeigt es das Benehmen eines eben aufwachenden Thieres. Bringt man es ln eine andere Lage, so sucht es das Gleichgewicht; auf den Rücken gelegt, steht es auf; angestossen, hüpft es; Vögel in die Luft geworfen, machen Versuche zu fliegen; Frösehe hüpfen fort. Wohl hat das Thier kein Gedächtniss mehr, es überlegt nicht, aber es empfindet den¬ noch, und reagirt gegen Empfindungen durch Bewegungen, Avel- che keine blossen Reflexionsphänomene sind. Cuvier vergleicht diese Thiere ganz richtig einem schlafenden Menschen, auch die¬ ser sucht im Schlafe noch eine bequeme Lage; er empfindet. Cuvier’s Bericht etc. in Flourens Versuche und Untersuchungen über die Eigenschaften und Verrichtungen des Neroensystems, Lpzg. 1824. p. 71,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29326825_0001_0836.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


