Handbuch der Schulhygiene / von Leo Burgerstein und Aug. Netolitzky.
- Leo Burgerstein
- Date:
- 1912
Licence: In copyright
Credit: Handbuch der Schulhygiene / von Leo Burgerstein und Aug. Netolitzky. Source: Wellcome Collection.
30/568 page 14
No text description is available for this image
No text description is available for this image
No text description is available for this image![Recht bestimmt liat sich in neuerer Zeit F. Krisman'n’) aut Grund zahl- reicher Messungen für Lagen nach N ausges])rochen, u, a. weil nur so diffuses Licht von gleichmäßiger, übrigens ganz ausreicliender Intensität beschaffbar ist, die Helligkeitsschwankungen um S sehr starke sind, die derzeitigen Mittel zur Abblendung (Vorhänge, Glasarten) die Nachteile der Insolation während des Unterrichts nicht entsprechend beheben usf. Er ist übrigens selbst gegen unbedingte Schabionisierung; sein Vortrag auf dem Nürnberger Kongreß hat neben Zustimmung auch Widerspruch gefunden; M. Gruber*) steht ganz auf Erismanns Standpunkt. Ein weiterer Gesichtspunkt ist die mögliche Belästigung durch zu intensive, infolge der dichten Besetzung selbst unerträgliche Erhitzung des Schulzimmers, welchen Nachteil man gleichfalls durch Lagen zu umgehen versuchen wird, welche die Sonnenbestrahlung des Zimmers wesentlich auf Zeiten außerhalb der Unterrichtsstunden be- schränken. Die Nordlage hat den Vorteil des ruhigen, gleichmäßigen Lichtes: Nord- zimmer zeigen innerhalb verschiedener Tages- und Jahreszeiten relativ geringe Schwankungen der Lichtintensität. Im allgemeinen ist in Nordzimmem caeteris paribus weniger Licht zu finden als in Südzimmern (S. iio). Ein Vorteil der Nordlage ist allerdings meist die Entbehrlichkeit der Vorhänge, welche mehr oder weniger Licht abhalten. Nach Norden wird man jedenfalls Zeichensäle ver- legen. — Die Nordlage ist kalt, unfreundlich, lichtschwach und entbehrt der Sonnenwirkung. Blendende Reflexe gegenüberhegender sonnenbeschienener Hausfronten können nachteilig werden; es sind dann doch Vorhänge nötig. Die Westlage ist in Mitteleuropa die „Wetterseite“ (Wind, Staub, Regen, Schnee, Rauch). Im Sommer wird die Nachmittagsbestrahlung der schon heißen Zimmer überaus lästig, welcher Nachteil für Schulen außer Betracht fällt, die nur Vormittagsunterricht haben. Die Ostlage ist trocken und sonnig. Die Erwärmung wird im Sommer (Morgensonne) am wenigsten unbequem — doch sind Vorhänge nötig (Licht- verlust) und diese Lage ist im Winter recht kühl, wäre also besonders für wärmere Khmate in Betracht zu ziehen. Die Südlage ist trocken und sonnig, sie bietet das höchste Licht. Der Hauptnachteil ist die Hitzebelästigung, welche allerdings nur ^rze Zeit dauert, hauptsächlich in die Sommerferien (sowie die meist schulfreie Mittags- zeit) fällt und noch durch die vielfach übhchen Hitzeferien (s. d.) vermindert wird, bei bedecktem Himmel endlich überhaupt nicht besteht, während die ge- sundheitüch wohltätige Wirkung der Sonne durch den größten Teil des Schul- jahres andauert. Die große Wärmeproduktion im besetzten Schulzimmer ist freilich nicht zu übersehen. Für die Südfassaden mit Schulzimmern empfehlen sich jedenfalls in mittleren und wärmeren Klimaten helle Anstriche, bei Roh- ziegelbau die Verwendung heller Backsteine; auch die Berankung dürfte unter Umständen von Nutzen sein. Lokal schwankt übrigens der Genuß der direkten Insolation stark infolge der Veränderungen in der Atmosphäre (Staub, feste Partikel des Rauches, Net^lbildung); es betrug in einer Stadt, die noch nicht an den atmosphärischen Übeln der Großstaate leiden kann®), die Zahl der wirklichen Sonnenstunden nicht einmal ein \ lerteil der möglichen; und doch bietet bei dem so häufigen Ausfall der Besonnung die sonnen- seitige Lage höhere Helligkeiten. ») F. Erismann, Über die Orientierung des Schulgebäudes. I. Int. Rongr f. Schulh. 1 286. — Derselbe, Die Orientierung der Schulzimmer. Jahrb. d. Schweiz. Ges. 5, 31» (1904). M. Grober, Die Versorgung der Schulzimmer usw. I. Int. Kongr. f. ^hulh. 1, 47°- E. V. Esmarch^ Die Tageshclligkeitcn in Göttingen usw. Zcitschr. f. Hyg. u. IntCK , 68 (1907)-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28086715_0030.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)