Volume 1
Lehrbuch der speciellen Pathologie und Therapie der inneren Krankheiten : für studirende und Aertze / von Adolf Strümpell.
- Adolph Strümpell
- Date:
- 1900
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Credit: Lehrbuch der speciellen Pathologie und Therapie der inneren Krankheiten : für studirende und Aertze / von Adolf Strümpell. Source: Wellcome Collection.
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![Der Leih wird melir aufgetrieben. Auf der Rumpfhaut tritt gewohn- licli am Anfange der zweiten Woche eine Anzalil kleiner, blassrother Fleeke, die Roseolen, auf. An Stelle der Verstopfung tritt ein massig starker Durchfall. Taglich erfolgen etwa 2—4 diinne, liellgelbe Stiible. Die dritte Woche, wahrend welcber in den scbweren Fallen die genannten Symptome fortdauern, ist vorzugsweise die Zeit der zahl- reichen CompUcationen und besonderen Krankheitsereignisse, yon denen unten ausfiihrlich die Rede sein wird. Nimmt die Krankheit einen giinstigen Verlauf, so tritt am Ende der dritten Wocbe ein Nachlass des Fiebers ein. Damit werden gewobnlicb aucli die Allgemeinersckei- nungen besser. Das Sensorium wird freier, die Kranken schlafen besser, bekommen etwas Appetit. Die vorhandenen Erscheinungen von Seiten der Lungen, der Digestionsorgane lassen nach, und die Kranken treten allmalig in die Reconvalescenz ein. Dieser kurzen Skizze des Kranklieitsverlaufes entsprechen die meisten ausgebildeten mittelschweren Falle. Ausser diesen aber giebt es nocli so zahlreiche Formen und Abweichungen von dem gewdhnlicben Bilde der Krankheit, dass es fast unmoglich erscbeint, vollstandig alle Vor- kommnisse beim Abdominaltyphus aufzuzablen. Dazu koriimt, dass die einzelnen Epidemien nach Zeit und Ort Verschiedenheiten ihres Ge- sammtcharakters clarbieten. BesondereVerlaufsweisen,einzelnebesondere Coni])licationen treten in manchen Epidemien haufiger auf, als in anderen. Wir beginnen die Darstellung der Einzelheiten mit der Besprechung des Fieberverlaufes. Fieberyerlauf. Die Beobaclitung der Eigenwarme beim Typhus ist so unerlasslich nothwendig fiir die Beurtheilung jedes einzelnen Falles, dass kein wissenschaftlicher Arzt einen Typhus olme regelmassig ange- stellte Temperaturmessungen behandeln darf. Die Messungen sollen, wenn moglich, im Rectum gemacht werden. Die Haufigkeit der Mes- sungen muss sicli natiirlich nach den iiusseren Umstanden richten, dock werden 3—4 Messungen taglich wold meist angestellt werden kbnnen. Nachts, zumal wenn die Kranken schlafen, braucht in der Regel nicht gemessen zu werden. Eine Uebersicht liber den Fieherverlauf ist nur dadurch zu gewinnen, dass die Einzelmessungen graphisch in einer fortlaufenden „Temperaturcurve“ dargestellt werden. Die typische Fiebercurve des Abdominaltyphus (vgl. Fig. 2), welche wir stets al's Ausgangspnnkt fiir die Betrachtung der zahlreich vor- kommenden Abweichungen nehmen miissen, zerfaJlt in drei resp. vier Abschnitte. Der erste Abschnitt, die Initialperiocle oder das pyro- genetische Stadium, kommt am seltensten zur Beobaclitung, da die Kranken zu dieser Zeit haufig nock nicbt Hrztlieh behandelt werden.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28119897_0001_0021.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


