Was wissen wir über Pupillenreflexzentren und Pupillenreflexbahnen? / von L. Bach.
- Ludwig Bach
- Date:
- 1904
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Credit: Was wissen wir über Pupillenreflexzentren und Pupillenreflexbahnen? / von L. Bach. Source: Wellcome Collection.
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![wir nämlich das Zustandekommen einer lediglich direkten Pupillen- reaktion bei totaler Sehnervenkreuzung im Chiasma nicht er- klären. Niemand wird annehmen, dass ein solches Verhalten gerade sehr wahrscheinlich ist. Dass bei den Tieren mit totaler Sehnervenkreuzung die Verhältnisse betreffend Pupillenreaktion etwas anders liegen als bei den Geschöpfen mit partieller Sehnervenkreuzung, wird ohne weiteres zugegeben, es werden sonach gewisse Abweichungen in dem Verhalten, dem Verlauf der Pupillenreflexbahnen vorhanden sein. Dass jedoch die Verhältnisse prinzipiell verschieden liegen, kann und darf man nicht behaupten; jedenfalls muss man dann auch den Beweis für eine solche zur Zeit als ungerecht- fertigt und unbegründet zu bezeichnende Behauptung gleichzeitig erbringen. Bei den Geschöpfen mit partieller Kreuzung der Fasern im Chiasma sollte man erwarten, dass die direkte Pupillen- reaktion hinter der indirekten zurückbleibt, da die Zahl der im Chiasma ungekreuzt bleibenden Fasern geringer ist, als die Zahl der sich kreuzenden Fasern. Das Gegenteil ist aber der Fall. Es erscheint deshalb schon aus diesem Grunde bis zu einem ge- wissen Grade wahrscheinlich, dass auch bei den Geschöpfen mit partieller (sensorischer) Kreuzung der Sehnervenfasern im Chiasma eine zweite (motorische) Kreuzung stattfindet, bei welcher wieder die grössere Zahl der Fasern auf die Seite gelangt, wo der Reflex ausgelöst wurde. Nimmt man die anatomisch nicht bewiesene innige Ver- bindung der Sphinkterkerne an [Postulat Bernheimer’s1)], so würde sich die tatsächlich bestehende Differenz zwischen der direkten und indirekten Pupillarreaktion nicht recht erklären lassen. In Bezug auf die innige Verbindung der Sphinkterkerne sagte ich, dass sie des anatomischen Beweises harrt. Ich will keineswegs leugnen, dass gewisse Beziehungen bestehen durch die Dendriten, denn ich weiss von meinen Untersuchungen mit der Golgi’schen Methode, wie weit sich die Dendriten erstrecken können. Ich darf vielleicht hier auf meine Abbildungen 13 u. 14, Tafel XV, v. Graefe’s Archiv f. Ophth, XLVII, 2 und 3, ver- weisen. Noch inniger würden sich die Beziehungen zwischen den Sphinkterkernen gestalten können, wenn z. B. die Zellen des *) Bernlieimer, Sitzungsberichte der k. Akademie der Wissenschaften 7ai Wien. Math.-naturw. Klasse. Bd. CVI1. 1898. 9*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22465765_0033.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


