Die Krankheiten des menschlichen Auges : ein Handbuch für angehende Aerzte : nach den besten in- und ausländischen Werken, mit besonderer Berücksichtigung der Beer'schen Erfahrungen, bearbeitet und durch eigene Beobachtungen vermehrt / hrsg. von Carl Heinrich Weller.
- Weller, Carl Heinrich, 1794-1854.
- Date:
- 1822
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Credit: Die Krankheiten des menschlichen Auges : ein Handbuch für angehende Aerzte : nach den besten in- und ausländischen Werken, mit besonderer Berücksichtigung der Beer'schen Erfahrungen, bearbeitet und durch eigene Beobachtungen vermehrt / hrsg. von Carl Heinrich Weller. Source: Wellcome Collection.
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![— f)9 — Die Thränenzellgesch wulst, D acryops, [von ötcy.Qv, Thräne und wip, das Auge, daher eigentlich Thränenauge.] Symptome. Wenn diese, beim Weinen sich schnell vergrößernde Sackgeschwulst, einigermaßen von be- deutendem Umfang ist, so zeigt sich am obern Augen- liede, zunächst dem Schläfewinkel, eine elastische, un- schmerzhafte, der Haut an Farbe vollkommen gleiche, begränzte Geschwulst, die sich dem Gefühl der Fin- ger nach, tief in die Orbita erstrecken muß, und bei einigermaßen starkem Druck auf dieselbe, eine drük- kende Empfindung in dem Bulbus selbst und vorüber- gehendes Feuersehen erregt. Hebt man das obere Au- genlied auf, indem man es zu gleicher Zeit von dem Augapfel abzieht und die Geschwulst von außen drückt; so drängt sich die Bindehaut in der Form eines voll- gefüllten rundlichen Sackes hervor, in welchem man die Fluctuation des enthaltenden Wassers ganz deut- lich fühlt. Die Causa proxima dieser Krankheit liegt nach Schmidt *) in der fehlerhaften Ausmündung eines Ausführungsganges der Thränendrüse in das Zellge- webe, unter der Conjunctiva bulbi^ worin sich viele Thränen sammeln, die Zelle ausdehnen und so gleich- sam einen Sack bilden. Schmidt und Beer, welche diese seltne Krankheit beschreiben, sahen sie immer bei Kindern, und letzterer beobachtete die Geschwulst in zwei Fällen aß Folge einer Verletzung. Obgleich diese Geschwulst für das Auge eben nicht nachtheilig ist, so läßt sich die Krankheit den- noch, wegen Mangel an Geduld des Patienten, und wegen Gefährlichkeit der Stelle, schwer gründlich heilen. Die Heilung geschieht durch folgende Operation: Nachdem ein Gehülfe den obern Augendeckel aufge- hoben, vom Augapfel zugleich abgezogen, und die Ge- schwulst von oben nach ab- und vorwärts gedrückt hat, durchschneidet man die Conjunctiva, welche die •) a. a. O. S. 68.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21083782_0111.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)