Beiträge zur psychologischen Theorie der Geistesstörungen / von Otto Meyerhof.
- Otto Fritz Meyerhof
- Date:
- 1910
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Credit: Beiträge zur psychologischen Theorie der Geistesstörungen / von Otto Meyerhof. Source: Wellcome Collection.
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![121] Selbstbeobachtung, noch auch die Fehlerquellen bei Verwendung von Versuchspersonen, noch endlich die Labilität der psychischen Phänomene enthalten unüberwindliche Schwierigkeiten zur ein- deutigen Feststellung eines psychischen Sachverhaltes. Es bleibt also nur die erste, wichtigere Hälfte der Kantischen Argumentation, gegen die auch — meistens unzureichende — Ein wände erhoben worden sind^. Uns dünkt KANTs Behauptung hier durchaus richtig, aber sie selbst enthält die Handhabe, um seine weitgehenden Konsequenzen abzulehnen. Denn wir „bringen eben das G-esetz der Stetigkeit hier in Anschlag“. Es war schon gesagt, daß alle psychischen Größen Intensitäten sind; als solche aber haben sie zwar kein zählbares Maß, aber einen bestimmten Grad von Stärke. Die Grade der Intensität lassen sich als gleich, größer und kleiner bestimmen. Auf alle Veränderung der Quali- täten in der Natur findet aber das mathematische Naturgesetz der Stetigkeit Anwendung, das besagt, es kann jede intensive Größe nur durch gradweise Vermehrung oder Verminderung der Intensität in der Zeit sich verändei’n bezw. entstehen oder ver- schwinden : In mundo non datur saltus Dieses einzige mathe- ‘ z. B. von WüNDT, Physiologische Psychologie. 5. Aufl. I, S. 6 f. (Einleitung.) Vgl. dazu die Anmerkung zur nächsten Seite. Brentano dagegen (Psychologie vom empirischen Standpunkt, 1874, I, S. 92) erkennt als einen der Gründe, „welche eine präzise Fassung der höchsten Gesetze der psychischen Succession hindern“, denjenigen an: „daß die Intensität der psychischen Erscheinungen, welche wesentlich mit maßgebend ist, bis jetzt einer genauen Messung nicht unterworfen werden kann“. Doch hebt er noch die Statistik als ein in der Psychologie anwendbares mathematisches Verfahren hervor. ® Vgl. hierzu Kant, Kritik der reinen Vernunft. S. 162ff. (Kehrhach). „Die Antizipationen der Wahrnehmung.“ Kant spricht hier nur davon, daß jeder empirischen Realität eine intensive Größe zukommt, die stetig vermehrt und ver- mindert werden kann (aber nicht notwendig stetig sich verändern muß). In der obigen Fassung schreibt aber das Gesetz der Stetigkeit vor, daß jede Größe nur](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28067319_0029.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


