Beiträge zur psychologischen Theorie der Geistesstörungen / von Otto Meyerhof.
- Otto Fritz Meyerhof
- Date:
- 1910
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Credit: Beiträge zur psychologischen Theorie der Geistesstörungen / von Otto Meyerhof. Source: Wellcome Collection.
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![128] § 3. Das G-esetz der Stetigkeit ist das mathematische Grundgesetz aus dem Moment der Qualität. Die Gesetze der Qualitäten finden demnach in der Psychologie volle Anwendung und lassen sich aus naturphilosophischer Theorie begründen. Es fragt sich nun, wie extensiven Maßstäben gemessen werden, daß dasselbe also auch im Psychischen erlaubt sei. Dieser A^ergleich ist aber irrig. Denn mißt man z B. die Intensität der Wärme an der Ausdehnung des Quecksilherfadens, die Stärke des elektrischen Stromes an der Anziehung eines Eisenstticks an eine stromdurchflossene Spule, so entspringen die zur Messung dienenden räumlichen Veränderungen aus den inten- siven Kräften selbst und sind letzthin — Avenigstens der Möglichkeit nach — aus ihnen mathematisch zu entwickeln. Eine solche theoretische Abhängigkeit der Maßgröße von der zu messenden kann aber bei psychischen Größen nie statt- finden, Aveil es nur körperliche Messung gibt, aber keinerlei Theorie, die das Ver- hältnis des Geistigen zum Körperlichen bestimmt. Doch seihst wenn es eine solche Theorie gäbe, so Avürde das für die Messung des Psychischen auch nichts nutzen; denn man will ja die seelische Größe für sich, wie sie unabhängig von allen körper- lichen Vorgängen existiert, zahlenmäßig ermitteln, um dann diese Zahl mit irgend einer materiellen Größe (Reiz u. s. w.) vergleichen zu können. Man darf dafür aber dann natürlich nichts Materielles als Größenmaßstab benutzen, denn dann hat man sich im voraus der Möglichkeit eines Vergleichs zwischen psychischen und physischen Größen begeben. — Alle diese Fehler — und noch mehr! — sind hei Fechner nachzuweisen; Elemente der Psychophysik, Leipzig 1860, Bd. I, S. 59ff.: „Kennt man die funktionelle Beziehung zwischen der Summe der Reiz- zuwüchse von Null an und der Summe der zugehörigen Empfindungszuwüchse, so hat man sie eo ipso für den ganzen Reiz und die ganze, dadurch ausgelöste Empfindung Prinzipiell also Avird unser Maß darauf hinauskommen, jede Empfindung in gleiche Abteilungen, d. h. die gleichen Inkremente, aus denen sie vom Nullzustande aus erwächst, zu zerlegen, und die Zahl dieser gleichen Abteilungen als wie durch die Zolle eines Maßstabes durch die Zahl der zu- gehörigen variablen Reizzuwüchse bestimmt zu denken, welche die gleichen Empfindungszuwüchse hervorzubringen imstande sind . . . Die Bestimmung und Summierung fortgehends gleicher relativer Reizzuwüchse im Aufsteigen des Reizes und der Empfindung repräsentiert hiernach eine Summierung eben so vieler zu- phöriger gleicher Empfindungszuwüchse, deren Summe wir nur auf eine Einheit ihrer Art zu beziehen haben, um ein Maß der ganzen Empfindung zu haben](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28067319_0031.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


