Beiträge zur psychologischen Theorie der Geistesstörungen / von Otto Meyerhof.
- Otto Fritz Meyerhof
- Date:
- 1910
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Credit: Beiträge zur psychologischen Theorie der Geistesstörungen / von Otto Meyerhof. Source: Wellcome Collection.
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![125] Geltung haben. Es fehlt nicht an Stimmen, die diese Geltung gänzlich bestreiten.^ Da es für das Geistige als reine An- schauungsform nur die Zeit g'ibt und die seelischen Größen nicht meßbar sind, so folgt, daß eine theoretische, konstruierbare Grundlage für die Kategorien der Verknüpfung nicht geschaffen werden kann. Die Gesetze der Trägheit, der Erhaltung der Energie, der Gleichheit von Wirkung und Gegenwirkung^ finden demnach keine Anwendung in ihr. Aber wenn es auch keine vollständige Theorie für die Ver- knüpfung der psychischen Phänomene geben kann, so folgt dar- aus noch nicht, daß die Kategorien der Verknüpfung in der Psy- chologie nicht anwendbar sind. Auch die heutige Biologie ist weit davon entfernt, mathematische Theorie zur Erklärung der Lebens- erscheinungen zu besitzen und verzichtet doch nicht auf die Ver- wendung des Kausalprinzips und der andern metaphysischen Grundsätze, verzichtet deshalb nicht auf den Namen einer Wissen- schaft. Während diese UnzulängKchkeit der Biologie nur in zu- fälligen Bedingungen unserer Kenntnis beruht, ist die theoretische Unzulänglichkeit der Psychologie in unserer Erkenntnis notwendig gegründet; sie ist also nie zum Range einer theoretischen Wissen- schaft im Sinne der Physik zu erheben. Es fragt sich deshalb „Methode der mittleren Abstufungen“ und die Variationen derselben, in der zwischen zwei Reizen ein dritter gesucht wird, dessen Empfindung von denen der Grenzreize gleichweit absteht, verläßt das Gebiet der Schwellenwerte und verlangt eine Schätzung der Größe von Empfindungsunterschieden zwischen ver- schiedenen Grenzen. Diese Methode ist aber darum ungenau und anfechtbar. Selbst WUNDT, der für sie das besondere „Merkelsche Gesetz“ in Anspruch nimmt, gibt zu, daß es „zur Gewinnung zuverlässiger Resultate unerläßlich ist, sie mit einer der „Minimalmethoden“ zu kombinieren“, (a. a. 0. S. 471.) ' Vgl. z. B. MÜNSTERBERG a. a. 0. S. 382 ff. * Speziell auf der Voraussetzung dieses Gesetzes beruht Hbrbarts Messung der „Hemmungssumme“ der Vorstellungen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28067319_0033.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


