Beiträge zur psychologischen Theorie der Geistesstörungen / von Otto Meyerhof.
- Otto Fritz Meyerhof
- Date:
- 1910
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Credit: Beiträge zur psychologischen Theorie der Geistesstörungen / von Otto Meyerhof. Source: Wellcome Collection.
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![127] Schwieriger gestaltet sich die Anwendung der beiden anderen Kategorien der Relation. „Das Schema der Substanz ist die Be- harrlichkeit des Realen in der Zeit, d. i. die VorsteUung desselben als eines Substratum der empirischen Zeitbestimmung überhaupt, welches also bleibt, indem alles andere wechselt. Nun ist mir in innerer Beobachtung nichts schlechthin Be- harrliches gegeben,^ eine unzerstörbare Substanz, im Sinne der Masse in der Körperwelt, kann man darin nicht finden; nur re- lativ, nicht als konstitutives Prinzip, sondern als regulative Maxime kann man die Kategorie der Substanz hier anwenden, wie etwa auf den Baum im Verhältnis zu seinen Blättern (der ja für die Physik nur eine Form wechselnder Materie ist). In diesem Sinne kann ich das „Ich“, das ich zu meinen geistigen Tätigkeiten hin- zudenke, als Substanz betrachten, und die Vermögen, vermittelst deren es tätig ist, als seine Eigenschaften („Akzidenzen“). Endlich „das Schema der Gemeinschaft (Wechselwirkung) oder der wechselseitigen Kausalität der Substanzen in Ansehung von Ursache und Wirluing eine eigenartige geistige Kausalität ergeben, die ge- wisse „schöpferische“ Akte verstattet und somit mit willkürlichen Handlungen verträglich wird. Was bei den „schöpferischen Resultanten“ gegenüber den Ele- menten, aus denen sie sich zusammensetzen, neu ist, sollen „Werte“ sein, die sich erst aus der Zusammensetzung der Elemente ergeben. (Bd. III, S. 781.) Indes wird doch die „Eindeutigkeit des Geschehens“ und somit die unverbrüchliche Geltung des Kausalgesetzes durch die Abwesenheit meßbarer Kräfte nicht an- getastet. Dasjenige aber, was in den Zusammenhängen der psychischen Elemente über diese selbst noch hinzukommt, muß doch seinerseits einen in den Bedingungen des Geistes liegenden Grund haben, da’’es doch nicht ex vacuo entstehen kann (welches gegen jedes wie immer formulierte Kausalprinzip verstieße). Diesen Grund aber sehen wir in der ursprünglichen Form der Vernunft, die als Einheit und Verbindung der Elemente zum Ausdruck kommt. ‘ Kant, a. a. 0. S. 140. * Vgl. MÜNSTERBERO a. a. 0. S. .387ff.; WUNDT, physiol. Psych., 5. Aufl. Bd. m, 8. 756 ff.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28067319_0035.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


