Beiträge zur psychologischen Theorie der Geistesstörungen / von Otto Meyerhof.
- Otto Fritz Meyerhof
- Date:
- 1910
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Credit: Beiträge zur psychologischen Theorie der Geistesstörungen / von Otto Meyerhof. Source: Wellcome Collection.
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![131] verwirft, begibt sich des einzigen Mittels, in den Fluß des see lischen Greschehens notwendige Ordnung und damit die Möglich- keit objektiver Erkenntnis hineinzutragen. Das ndvia ^ei des inneren Chaos schwemmt unaufhaltsam alle Grenzen fort j und jeder treibt füi- sich in der Finsternis seinen einsamen Weg durch die uferlosen Gewässer. Um nicht mißverstanden zu werden, möchten wir aber aus- drücklich hervorheben, daß hier der Begriff der Vermögen nicht etwa im Sinne der WOLFPschen rationalen Psychologie verstanden wird, als für sich bestehender, selbständiger, schrankenlos wirken- der Kräfte^ ja wir können nicht einmal mit KANT das Vermögen von der äußeren Naturkraft nur dadurch unterschieden, daß es nicht von sich aus zur Äußerung bestimmt würde. Viel- mehr dringen wir in der psychologischen Analyse überhaupt nicht so weit vor wie in der Physik, bis zur Aufweisung ein- facher mathematisch konstruierbarer Grundkräfte, sondern bleiben bei einer qualitativen Vielheit von Geistestätigkeiten stehen, die nicht mehr auflösHch sind. Passen wir diese als Äußerungen von Vermögen auf, so behaupten wir weiter nichts, als daß die Gesetze dieser Tätigkeiten wie jedes andere Naturgesetz den metaphysischen Begriff der Kraft zu ihrer Möglichkeit erfordern.® — Damit wäre natürlich nur ein neues Wort ohne jeden Er- ‘ Daß die Annahme der Vermögen keine metaphysische Hypothese zu sein braucht, ersehe man daraus, daß der Empiriker Beneke an ihnen festhält, der Metaphysiker Herbart sie bekämpft! ** Ebenso LOTZE, Medizinische Psychologie, 1852, S. 151: „Der Begriff der physischen Kraft ist stets zugleich der eines Gesetzes, nach welchem eine quali- tativ konstante Wirkungsweise mathematischen Modifikationen der Größe, Dauer und Richtung unterliegt. Die Seelenvermögen dagegen sind nicht aus Maßver- hältnissen psychischer Erscheinungen, sondern lediglich aus ihrer Qualität ab- strahiert; sie können daher auch nur als Erklärungsquellen der Qualität ihrer 3*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28067319_0039.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


