Beiträge zur psychologischen Theorie der Geistesstörungen / von Otto Meyerhof.
- Otto Fritz Meyerhof
- Date:
- 1910
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Credit: Beiträge zur psychologischen Theorie der Geistesstörungen / von Otto Meyerhof. Source: Wellcome Collection.
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![143] Tatsachen das geringste auszumachen), wie weit und in welcher Weise die Realisierung dieser Zwecke in einzelnen Fällen statt- findet. Dann treibt man Naturwissenschaft, und zwar Psycho- logie; das „Setzen von Zwecken“ findet man als empirische Tat- sache in der Selbstbeobachtung. Es ist für diese Untersuchung völlig belanglos, ob man sich die zwecksetzende Vernunft als „frei“ in transzendentaler Hinsicht vorstellt oder nicht. Soweit sie Gegenstand der Beobachtung wird, ist sie nicht frei (denn die Giltigkeit des Kausalgesetzes ist Bedingung der Möglichkeit der Erfahi-ung), aber davon ist das „Setzen von Zwecken“ und die Realisierung derselben ganz unabhängig.^ Und diese letztere Untersuchung wird sich für uns zur Bestimmung des Irrseins und der Zurechnungsfähigkeit von höchster Wichtigkeit erweisen, ja es ist die einzige, die überhaupt zu einer allgemeinen Bestimmung derselben tauglich ist. Denn es wird sich finden, daß diejenigen Kriterien, die für körperliche Krankheit zu Gebote stehen, und ebenso alle aus Ergebnissen der Elementaranalyse gewonnenen Definitionen gegenüber der Geistesstörung versagen. § 6. Endlich aber könnte man unserem Unternehmen vorwerfen, mit der Frage der menschlichen Ausbildung das Ende der Unter- suchung zum Anfang zu machen; und da dieses „Ende“ den Geist den Verhältnissen der Reflexion unterworfen zeigt, die seelischen . Vorgänge in logische Denkprozesse zu verwandeln, d. h. ein Ver- fahren einzuschlagen, das unter dem Namen des Intellektualismus in Verruf gekommen ist. Auch dieser Vorwurf ist nicht eindeutig. Es ist gewiß ein Verschulden der alten Psychologie, an dem auch * Vgl. dagegen MÜNSTERBBRG, a. a. 0., S. 14.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28067319_0051.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


