Ist die Ehrlichsche Seitenkettentheorie mit den tatsächlichen Verhältnissen vereinbar? Bemerkungen zu der II. Mitteilung von Bang und Forssmann / von P. Ehrlich und H. Sachs.
- Paul Ehrlich
- Date:
- [1910?]
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Credit: Ist die Ehrlichsche Seitenkettentheorie mit den tatsächlichen Verhältnissen vereinbar? Bemerkungen zu der II. Mitteilung von Bang und Forssmann / von P. Ehrlich und H. Sachs. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![erbracht ist. Wir haben ausserdem in der I. Mitteilung schon darauf hin- sewiesen, dass für das Prinziv der Wassermannschen Deutung heute die Heranziehung des Wassermann-Takakischen Ver- suchs gar nicht mehr erforderlich ist, dass vielmehr ein grosses Beweis- material dafür vorliert, dass Antitoxine und Zellrezeptoren gleichsinnig wirken. Wenn die Autoren über unsere Ausführungen über die Arbeiten von Marie und Tiffeneau und Landsteiner und Raubit- schek'!%) ohne Begründung den richtenden Satz aussprechen zu müssen glauben, „wir erlauben uns die entgegengesetzte Auffassung zu haben“, so empfehlen wir ihnen vielleicht auch Landsteiner in der für sie wichtigsten Frage zu folgen, der, wie wir schon in der ersten Mit- teilung bemerkt haben, bei der Besprechung ihrer Arbeit zu dem Schluss gelangte: „Die Ansicht, dass Antikörper nur auf ihre Antigene oder mit diesen chemisch nahe verwandten Substanzen einwirken, ist aber ab- eesehen von ieder Hypothese durch so viele Tatsachen belegt und das Gegenteil wäre so merkwürdie. dass man eine scheinbare Ausnahme von diesem Prinzip zunächst auf irgend eine andere Weise zu erklären versuchen sollte.“ Die Beachtung dieses Satzes, der das von Bang und Forss- man angeegriffene Grundprinziv der Seitenkettentheorie anerkennt, kann auch den Autoren empfohlen werden. Wir haben in unserer ]. Mit- teilung das.von Bang und Forssman in dieser Richtung bei- gebrachte Versuchsmaterial in diesem Sinne kritisch geprüft und sind zu dem Schluss gelangt, dass der wesentliche Teil ihrer Untersuchungen so wenig kontrolliert ist, dass sie völlig unzureichend für theoretische Schlussfolgerungen erscheinen müssen. So divergieren zahlreiche Ar- beiten, welche sich vor und nach Bang und Forssman mit den entsprechenden Problemen beschäftigt haben, in ihren Konseauenzen sehr wesentlich von denienigen der Autoren, und wenn Bang und Forssman nunmehr dem Leser mitteilen, ..dass die ausführlichen Nachprüfunsen von Dautwitz und Landsteiner, sowie von Takaki Punkt für Punkt unsere Ergebnisse bestätigen mussten,‘ so ist das schon aus dem Grunde unrichtig, weil sich die genannten Ar- beiten nur mit einem kleineren Teil des von Bang und Forssman vorgebrachten experimentellen Materials beschäftigen, da- zu noch gerade mit demienigen, dessen Kritik von unserer Seite Ein- wände erkennen liess, die sich, wie Bang und Forssman selbst en „selbstverständlich weder direkt beweisen noch widerlegen assen“. Man hätte nun erwarten sollen, dass die Autoren auf die von uns begründeten Fehler und Unterlassungen, welche ihrer Methodik an- hafteten, näher eingehen oder unsere Einwendungen durch neueres Ver- suchsmaterial zu entkräften suchen. Statt dessen wollen sie dem Leser beweisen, dass uns die Qualifikation zu einer derartigen Kritik fehlte, mit dem Hinweis auf die „kritiklosen Arbeiten über das Kobra- lezithid von Kyves und Kyes und Sachs unter persönlicher Leitung von Ehrlich“. Nun, für denienigen, der die Literatur über Schlangen- eitthämolyse kennt, wird es überflüssig sein, die Bedeutung der genann- 1#) K. Landsteiner und H. Raubitschek: Biochem. Zeit- schrift, Bd. 15, S. 38, 1909,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b33443014_0010.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)