Lehrbuch der inneren Medizin für Ärzte und Studierende. 1 Bd. / von Georg Klemperer.
- Date:
- 1905
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Credit: Lehrbuch der inneren Medizin für Ärzte und Studierende. 1 Bd. / von Georg Klemperer. Source: Wellcome Collection.
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![Ö56 handelt es sicli bei der Notwendigkeit der Infusion meist um so liocligradiji kollabierte Patienten, daß sich die Venen durcJi die Anlegung der Stauungs- binde nicht genügend anCüllen. Injektion. Die subkutane Injektion geschieht mittels einer sogen. Pravaz-Spritzc, einer meist 1 com lialtenden Glasspritze, deren Kolben- stange gewöhnlich eine ^/lo ccm l']ini:eilung zeigt. Um eine stets gui funktionierende Pravaz-Spritze zu haben, bedient man sich am zweck- mäßigsten der etwas teueren Sorten mit Asbest- oder Duritkolben, die durch Auskochen aseptisch gemacht werden können. Indessen reicht man auch mit den billigen Spritzen mit Lcderkolbcn aus; nur muß man dann jeden 2. oder 3. Tag die Spritze mit abgekochl,em oder 2 prozentigem Karbolwasser durchspritzeii, um das Eintrocknen des Lcderkolbens und der Lederdichtung zu verhüten. — Zur Injektionsstelle wäblt man gewöhnlich die Dorsaifläche des Unterarms; natürlich kann man auch an vielen anderen Stellen des Körpers injizieren. Bei Injektion wässriger Lösungen ist eine besonders gründliche Desinfektion der Hautstelle nicht notwendig; es genügt, sie mit Alkohol abzureiben. Dagegen soll Spritze und Kanüle vor jedesmaligem Gebrauch ausgekocht oder stundenlaug vorher in 3prozentiger Karbolsäure oder absolutem Alkohol gelegen haben. — Vor Injektion reizender Lösungen (z. ß.Thiosinamin oderErgotin) ist gründliche Des- infektion der Haut vorzunehmen. — Injiziert wird schnell in den Grund einer er- hobenen Ilautfalte, nachdem man sich überzeugt hat, daß die Kanüle frei im Unterhautgewebe und nicht im Hautgewebe selbst liegt. Die Injektions- stelle wird mit einem kleinen Pflaster verschlossen. — Die Pravazspritze und eine frische 2prozentige Morphiuralösung soll der praktische Arzt immer bei sich tragen. Katheterismus, Zum Katheterisieren der Harnblase benutzen wir ent- weder weiche, sogen. Nelaton-Katheter aus Gummi oder starre, metallene aus Silber oder Neusilber; die weiblichen sind kürzer und am Ende wenig gekrümmt, die längeren männlichen zeigen eine der Perinealkrümraung der männlichen Urethra entsprechende Biegung. Der Arzt muß von Nelaton- Kathetern verschiedene Stärken vorrätig haben; dieselben sind nach der sogen. Charriereschen Skala von 1—30 nummeriert. — Beim Katheterismus soll der Patient horizontal gelagert sein; das Becken wird durch ein festes Kissen gehoben; zwischen die gespreizten Beine des Patienten wird das üringlas gestellt. Eine normale, nicht stenosierte Urethra vorausgesetzt, ist der Katheterismus mit Nelaton-Katheter ohne weiteres auszuführen. Ein Katiieter mittleren Kalibers, etwa No. 15, wird durch 10 Minuten langes Kochen in Wasser sterilisiert und mit aseptischem Oel oder Glyzerin bestrichen: das Orificium externum urethrae wird mit einem in Sublimatlösung (1 %o'i getränkten Wattebausch abgerieben. Der Arzt steht zur Rechten des Patienten, faßt den Penis mit der linken Hand und führt mit der rechten den Katheter langsam ein; sobald er in die Blase gedrungen ist, strömt der Urin in vollem Strahl in die bereitgehaltene Urinflasche. Nachdem die Blase sich entleert hat, drückt man den Katheter mit Daumen und Zeigefinger zu und zieht ihn ebenso langsam wieder heraus. — Ungleich schwieriger ist der Katheterismus mit starrem Katheter. Hier bedient man sich im allgemeinen stärkerer Nummern, da man bei dünnen Kathetern eher in Gefahr ist, sogen, falsche Wege zu bahnen. Der Arzt steht zur Linken des Patienten und hält zunächst den desinfizierten](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21925148_0572.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


