Lehrbuch der inneren Medizin für Ärzte und Studierende. 1 Bd. / von Georg Klemperer.
- Date:
- 1905
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Credit: Lehrbuch der inneren Medizin für Ärzte und Studierende. 1 Bd. / von Georg Klemperer. Source: Wellcome Collection.
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![Zur l']rloieli(enini;- der Sondenbeluiiullaiig diirf ein Arzncimiilcl ange- wmdl worden, welches sich in der äußeren ^Medizin vielfach als narben- lö'^end bewährt' lial: das Thiosinamin. Wie wir uns die Wirkung desselben vorzustellen haben, ist bei der PyJorusstrikLur näher erörtert. Die An- wendung- geschieht als subkutane Einspritzung von 1 ccm einer 10%igen Lösung'(R. No. 19); gewöhnlicli inacht man 10 Einspritzungen m je 2- bis 3täi:ia-en Intervallen. ~'ln den seltenen Fällen vollkommen undurcbgängiger htriktur bleibt jiur chirurgisches Vorgehen möglich. Es muß onne Magcnüstel angelegt werden, (kurh welche der Patient ernälirt wirfl. Vom Magen aus wird dann d<>r Versuch gemacht, die Striktnr zu sondier(>n imd allmählich zu dilatieren (retrograde Dilatation). In einer Reihe von Fällen ist dieser Ver- such gelungen; die Striktur konnte schließlich auch von oben passiert werden, so daß es^Tiöglich wurde, die Magenfistel zu schließen und die Patienten auf natürlichem Wege weiter zu ernähren. Die syphilitische Striktur rechnet zu den allergrößten Seltenheiten. Ihre Symptome sind die der umschriebenen Narbenbildimg mit sekundärer Ektasi(>. 1 -r Di(> Behandlung geschieht einesteils durch Sondieren, andernteils durch gh'ichzeitige Darreichung von Quecksilber und Jod, wodurch in den weniacn hekannr gewordenen Fällen eine außerordentliche Ermäßigung der Beschwerden gelungen ist. Die zeitw(>ilige Sondenhehandlung isi- dabei immer wieder nötig. e) Verschluß des Oesophagus durch verschluckte Fremdkörper. Als verschluckte Fremdkörper, welcJio den Oesopluigus verschließen können, kommen übermäßig große, im Munde nicht zerkleinerte und liastig heruntergeschluckte BissenFleisch,Brot und dergi. inBetracht, häufigerKnochen (iderGräten, oder es handelt sich um versehentlich, meist von spielenden Kindern heruntergeschluckte Gegenstände: Münzen, Steine oder Bruchstücke vom Spielzeug. Erwachsenen geraten nicht selten locker befestigle Gebisse in die Speiseröhre. In allen diesen Fällen tritt meist plötzlich lebhafter Schmerz und Angstgefühl ein. Große Bissen, die im Anfangsteil des Oesophagus stecken breil)en, hab(m in einzelnen Fällen durch Verlegung des Kehlkopf- eingangs plötzlichen Tod an Erstickung herbeigefüiirt; die meisten Fremd- körper jedoch, die in den Oesopliagus gelangen mid dort meist an einer der oben bezeichneten physiologischen Engen stecken bleiben, werden ent- weder durcii Würgen wieder nach Außen gebracht oder gleiten allmählich in den Magen. Oft haben auch Fremdkörper Stunden lang im Oesophagus gesteckt, ohne Beschwerden zu ma(;hen, und man wurde erst durch die J<>schwerung des späteren Schluckens auf sie aufmerksam. Bei der Ver- schli(d5ung der Speiseröhre durch einfache Bissen ist immer zu (Vagen, ob es sich nicht schon um bestehende Striktur gehandelt hat. — Gelingt es nicht, den eingekeilten Fremdkörper zu entfernen, so veranlaßt ei' scliließlich Entzündung, Eiterung oder Dnicknekrose der Oesophaguswand und seiner l'nigebung und fiduM, so zu langwierigen und h'bensgefährlichen Krankheits- fU'dzessen. Bei dci- Diagnose der Fremdkörperverscliließung darf man si(di nicht ohne weiteres auf die iVngabe der Patienten verlassen, daß ein Fremdkörper im Oesophagus sitzt, weil hier nicht selt(ni hypochondrische](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21925148_0087.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


