Lehrbuch der inneren Medizin für Ärzte und Studierende. 1 Bd. / von Georg Klemperer.
- Date:
- 1905
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Credit: Lehrbuch der inneren Medizin für Ärzte und Studierende. 1 Bd. / von Georg Klemperer. Source: Wellcome Collection.
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![DIK KRANKHEITEN DKli OBKKSTEN VIORDAIJUNGSWKGI': Vorslcllangüii und Ichliaflo Phantasie /u Täuscliungen lülircn. Die Diagnose wird gewöhnlich durch vürsiciitigo Sondierung gestellt, doch ist auch deren Resultat nicht immer ausschlaggebend, weil die Sonde unter Umständen an dem Fremdkör|)or, /. 13. dem Ausschnitt eines Gebisses, ohne Widersland yorühergleilet. In Zweifelsfällcn entscheidet die Ocsophagoskopie oder ] \ öntgen du rchl eu ch tu ng. ' Die Behandlung muß natürlich unter allen Umständen den Fremd- körper a,iis der Speis(n-öhr(> entfernen, sei es, daß er nach oben oder nach unten gebracht wird. Sitzt der Fremdkörper hoch oben, so kann man ihn manchmal mit einer langen Kornzange oder gebogenen Schlundzangc direkt fassen, eventuell na,ch Kokainisierung des Schlundes, und nach vorsichtige)- Lockerung extrahieren. Dies ist der einfachste und glücklichste Fall. Sitzi der Fremdkörpei' tiefer, so macht man gleich bei der ersten Sondierung, welche den Fremdkörper ertastet, den Versuch, ihn durch vorsichtige AIj- wärtsbewegung herabzustoßen. Es ist nun freilich ein Glücksfall, Avenn dies gelingi. Uebrigens ist die Angabe des Patienten, „er fühle den Fremdkörpei' noch an der alten Steile, nicht maßgebend, da das Fremd- körpergefühl noch Stunden oder Tage lang nach dem Herabstoßen an- dauern kann, besonders wenn dabei eine kleine Schleimhautverletzuug des Oesophagus stattgefunden hat. Wenn die Sonde nun frei den Oesophagus passieit, so läßt nian reichlich dicke, breiige Nahrungsmittel genießen, die den Fremdkörper bei der weiteren Passage durch den Darmkanal „einhüllen-, damit keine Verletzungen der Darmschleimhaut stattfinden; man reicht also Kartoffelbrei, dick eingekochten Reis, Bohnen- oder Erbsenpuree. auch gut gekautes Brot. Die da.nn folgenden Stuhlgänge werden genau inspiziert; man findet raeist nach ca. 2 Tagen den Fremdkörper in denselben. -— Gelingt die Herabstoßung nicht auf leichte Weise, so forciere man diese Versuche nicht, da man leicht eine wesentliche Verletzung der Speiseröhi-e setzen kann. Man versuche die Extraktion vielmehr mit dem sogenannten Münzen- oder Grätenfänger, den jeder Arzt in seinem Instrumentarium haben muß. Hierbei kommt alles darauf an, ob es durch vorsichtig wischende Bewegung gelingt, den Fremdkörper zu fassen. Man soll auch diese Versuche wegen der Gefahr der Verletzung und eventuell noch l'esteren Einkeilung des Fremdkür[)ers nicht allzu lange fortsetzen. — Ist ina,n auf keine der geschilderten AVeisen zum Ziele gekommen, so tut man am besten, den Patienten einem im Oesophagoskopieren geübten Spe- zialisten zu überweisen. Gelingt es dann, den Patienten zu ösophago- skopieren, so kann man unter Leitung des Oesophagoskops mit eigens kon- struierten Zangen den Fremdkörper fassen und herausziehen. Aber oft genug zeigt das Oeso|)hagoskop, daß der Fremdkörper so fest eingekeilt ist, daß ein Herausziehen oder Hinabstoßen nur unter schwerer Verletzung mög- lich ist. Dann bleibt nur übrig, den Patienten dem Chirurgen zuzuführen, der bei hoch sitzendem Fremdkörper die Oesophagotomie, bei tief sitzendem die Gaslrotomie ausführen muß. d) Ocso|tliagnskraini>f', OesophagisiiiHS, ü.vsphagia spastica. Bei vollkommen normalen anatomischen Verhältnissen der Speiseröhre kann durch patJiologische l']rregungen der Oesophagusnnisk\tIatur. welche vom Schluckzentrum ausgehen, an den verschiedensten Stellen der Schluck- bahn eine Verengerung derselben statt(indcn, welche in wechselnder Weise](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21925148_0088.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


