Lehrbuch der inneren Medizin für Ärzte und Studierende. 1 Bd. / von Georg Klemperer.
- Date:
- 1905
Licence: In copyright
Credit: Lehrbuch der inneren Medizin für Ärzte und Studierende. 1 Bd. / von Georg Klemperer. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Royal College of Physicians of Edinburgh. The original may be consulted at the Royal College of Physicians of Edinburgh.
94/606 page 78
![Dil' KliAXKIIKITKN DKS MA(il']NS. /usaugen vcrinag. Es trilt aber die Resorption von seilen des Magens so sehr gegenüber der von seilen des Darms zurück, daü sie für die I'j-näln-ung nur wenig in Beiracht komnii. Es ist namentlich hervorzuheben, daß der Magen fast gar kein Wasser aufsaugt, sondern im Gegenteil konzentriert«- Lösungen durch Wasserabsonderung verdünnt. Dagegen sind die sekretorische und motorische Funktion, welche fiii- das physiologische Experiment \md die theoretische ßcti-achtung von einander geschieden werden, für die ärztliche Betrachtung nicht von einander zu trennen: dieselben Reize, welche die Absonderung anregen, veranlassen auch die Bewegung und Eröffnung des J\lagens; auch die motorische Tätigkeit ist von nervösen Erregungen und zum Teil von psyciiisciien Vorgängen abhängig. Allgemeine Diaftuostik. Die Normalität der Magenverdauung, Avelche den rechtzeitigen Eintriu des Speisebreies in den Darm gewährleistet, ohne daß das Indi\nduum davon Empfindungen hat, Avird durch das regelmäßige Zusammenspiel von Sekretion und motorischer Funktion bedingt. Und so kommt es auch unter allen pathologischen Verhältnissen fast immer zu Störungen beider Funktionen, indem entweder beide durch denselben Reiz in gleicher AVeise beeinträchtigt werden, oder aber aus der Störung der einen Funktion die der andei-n hervorgeht. Es führt die primäre Herabsetzung der Saftsekretion dadurch zur motorischen Schwäche, daß durch die A'^ermindenmg der Salzsäure einer der physiologischen Reize wegfällt; ferner führt das Fehlen der Salzsäure zur Vermehrung des BakterieuAvachstums und dadurch zur Gärung und Fäulnis; die chemischen Produkte derselben sind zum Teil gasförmig, dehnen die Muskulatur und setzen also ihre Bewegungen herab. Anderer- seits bewirkt die primäre motorische Insuffizienz sekundäre Sekretions- störungen, indem der längere Aufenthalt der Speisen durch den Reiz der Zersetzungsprodukte eine katarrhalische Veränderung der Schleimhaut her- vorruft, welche die Sekretion von spezifischem Magensaft vermindert. Mit den Zeichen der gestörten Sekretion und IMotilität und den daraus entspringenden Beschwerden haben Avir es hauptsächlich bei den ^lagen- krankheiten zu tun. Da es nun eine der Avesentlichsten Aufgaben des Arztes ist, BescliAverden zu beseitigen, so ist es bei den Krankheiten des Magens seine erste Pflicht, die Ursache der Besclnverden, d. i. die Art der Funktionsstörung, genau zu ermitteln. Es ist andererseits klar, daß die funktionelle Diagnose nicht das Endziel darstellt, denn eine endgiltige Be- hebung der Funktionsstörung ist nur mit der Beseitigung der anatomischen Ui'sache gegeben. Die Diagnose der IMagenkrankheiten muß also in letzter Linie eine anatomische sein, und die notwendige Feststelhmg der Funktions- störung darf nur als eine Vorstufe für die anatomische Diagnose betrachtet Averden. Die Störungen der Sekretion und Motilität mit ihren unzertrennliciien Folgen der Gärung und Gasbildung im Magen, der Dehnung der Magen- Avände, der Reflexwirkung auf das^ übrige spnpathische Nervensystem, soAvic der möglichen Aufsaugung nervenreizender Substanzen führen zu einem Symptomkomplex, welcher den meisten Magenkrankheiten gemeinsam ist und geAvöhnlich unter dem Namen der gestörten Verdauung (Dyspepsie) zusammengefaßt wird: Druck und Vfillo in der IMagengegend, y\ufstoßcn,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21925148_0094.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


