Vorlesungen über Pharmakologie für Ärzte und Studirende / von C. Binz.
- Karl Binz
- Date:
- 1886
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Credit: Vorlesungen über Pharmakologie für Ärzte und Studirende / von C. Binz. Source: Wellcome Collection.
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![Td (fccQfjiaaov bedeutet beides, Gift und Arznei, und zwar in zubereiteter Form. So nennt Piaton den Seliierling'sbeclier, welcher zur Hinrichtung des Sol^rates dient, rd (fdoi.my.oi>] in diesem Sinne heisst es bei Homer, Od. 4. 230: (D(XQiicr/M^ TToAkä }ibi' iüihlä fjtffJiyyh'a^ noXXu dt XvyQcc . . . (Mancherlei Säfte, gemischt zu guter und giftiger Wirkung). Mit einem (fäQf^taxop verwandelt Kirke die Gefährten des Odysseus in borstige Eber, und wieder mit einem (fdqpazov sie bestreichend gibt die Zauberin ihnen Menschengestalt, Jugend und Schönheit zurück (Od. 10. 235, 394). An mehrern andern Stellen der homerischen Gesänge finden wir dasselbe Wort in einer der beiden Bedeutungen allein. Pharmacie oder Pharmaceutik nennen wir die wissenschaft- liche und praktische Apothekerlehre, von der die Pharmakognosie, das systematische Erkennen und Bestimmen der Droguen und Prä- parate, ein Teil ist. In Frankreich und Italien gibt man noch heute diesem Gebiet den Namen Pharmakologie und nennt letztere Therapciifique und Terapevfica. Aehnlich war es vor nicht lange auch in England; unsere Pharmakologie war dort nur ein Stück Physiologie, wobei man wesentlich an die Pharmakodynamik dachte, d. h. an die besondere Aufgabe der Wissenschaft, die Wir- kungen der Gifte und Arzneistoöe auf die einzelnen Provinzen und Teile des Organismus zu erforschen. Gegenwärtig hat man sich auch in England dem deutschen Sprachgebrauch des Wortes Phar- makologie angeschlossen. In Russland gilt dieselbe Auffassung. Was der Arzt an Arzneistoffen und an Präparaten zu kennen nötig hat, wird ihm in der unter der Aegide des Staates redigirten Pharmakopö geboten. Der Apotheker ist gesetzlich verpflichtet, in Herkommen und Beschaffenheit seiner Vorräte sich genau an ihre Angaben zu halten. Als eine der ersten oder vielleicht die erste Pharmakopö wird das Ricdfario Fioretino in Florenz von 1489 genannt. Heute besitzt jede civilisirte Nation ihre eigene. In Deutsch- land hatte bis zu den Jahren 1866 und 1871 fast jedes Ländchen seine eigene Pharmakopö. Seit 1872 ist das anders geworden. Da- mals erschien die erste Auflage der amtlichen Pharmacopoea Ger- manica, 1882 die zweite. Die Spraclie der Pharmakopoen war früher lateinisch; in neuerer Zeit jedoch haben die Nationen meistens ihre Landessprache zu Grunde gelegt. Nur mehrsprachige Länder,](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21042238_0020.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)