Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre / bearbeitet von Erich Harnack.
- Date:
- 1883
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Credit: Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre / bearbeitet von Erich Harnack. Source: Wellcome Collection.
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![Veränderungen der Arzneimittel im Körper. Für die Wirkungen, welche ein Mittel im Körper hervorruft, ist jedoch nicht nur die Zusammensetzung des ersteren mafsgebend, sondern auch die Veränderungen, welche das Mittel unter Umständen im Körper erleidet. Diese Veränderungen können aber verschieden sein je nach der Applikationsstelle; denn die Teile des Körpers, mit denen wir die Ai'zneimittel in Berührung bringen können, sind be- kanntlich nicht von gleicher Beschaffenheit, und auch an ein und derselben Applikationsstelle können die Verhältnisse unter verschie- denen Umständen verschieden sein und die Wirkungen des Arznei- mittels dadurch eine andere Richtung erhalten. Am häufigsten bringen wir arzneiliche Stoffe in den Darm- kanal, wo sie mit dem Inhalte und den Wänden des letzteren, so- wie den Sekreten der einmündenden Organe zusammenkommen. Schon im Mnnde können die Arzneimittel mancherlei Veränderungen erleiden. Sie finden hier eine schwach alkalische, aus dem Seki'et der Speicheldmsen und dem Mundschleime gemischte Flüssigkeit. Feste, in Wasser lösliche Stoffe lösen sich hier in gröfserer oder ge- ringerer Menge, Säuren verbinden sich mit dem Alkali des Mund- speichels. Auch diejenigen Stoffe, welche sich mit den eiweifsartigen Körpern verbinden, können, wenn sie in löslicher oder gelöster Form in den Mund kommen, sich mit denselben vereinigen. Ist die Ver- wandtschaft grofs und die Menge, in welcher sie in den Mund ge- langten, nicht unbedeutend, so verbinden sie sich^icht blofs mit den in dem Mundspeichel aufgelösten und suspendierten Substanzen, sondern auch mit der Schleimhaut des Mundes, deren Zusammensetzung durch sie so weit verändert werden kann, dafs sie ihre Bedeutung für den Organismus verliert. Ist die Verwandtschaft weniger grofs, so werden nur lockere Verbindungen gebildet, welche der beständig zufliefsende Speichel bald wieder zersetzt und durch die ein grofser Teil der Geschmacksempfindungen bedingt wird. Weingeistige Lösungen werden häufig schon im Munde zersetzt, indem der Weingeist Wasser aus dem Speichel aufnimmt und die vorher in ihm gelösten Stoffe aus- scheidet. Es ist bekannt, dafs der Mundspeichel das Stärkmehl in Zucker (Maltose) umwandelt, auch das Salicin wird nach Städeler'^) durch Speichel in Saligenin und Traubenzucker zerlegt, Cohnheim^] und Nasse^) konnten jedoch nicht zu demselben Resultat gelangen. Vielleicht kommen noch bei anderen Stoffen derartige Zersetzungen vor, doch wissen wir darüber noch nichts Grenaueres. Sind kariöse Zähne vorhanden, oder ist der Chemismus der Verdauung gestört, so enthält der Atem oft gröfsere oder geringere Mengen von Schwefel- >) Stadkler, Journal f. prakt. Cliemie. Bd. LXXII. p. 350. ^) COHNHKIM, Archiv f. patholog. Anatomie Bd. XXVIII. p. 241. n Nassk, Archiv f. d. ges. Phyniologic. Bd. XI. p. 138.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21924429_0039.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


