Lehrbuch der Arzneimittellehre und Arzneiverordnungslehre / bearbeitet von Erich Harnack.
- Date:
- 1883
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![soliinerzeu eintreten, Laxantia, dagegen Pnrgaiitia^) diejenigen nennt, bei deren Grebrancli gewöhnlicli Kolikschmerzen, bisweilen auch Te- nesmen eintreten. Die Mittel, bei deren Gebrauche sich jene Er- scheinungen schon nach relativ kleinen Dosen zu zeigen pflegen, unterscheidet man besonders als Drastika. Damit eine abführende Wirkung zu stände komme, ist in allea Fällen beschleunigte peristaltische Bewegung nötig. Diese kann sich bald auf den ganzen Darm, bald nur auf den untern Teil desselben erstrecken. Da unter solchen Umständen das Wasser des Darminhalts in geringerer Menge wie sonst zur Resorption gelangt, so bleiben die entleerten Fäkalmassen flüssiger als gewöhnlich. Nach dem Gebrauche der Abführmittel, welche vorzugsweise auf den unteren Teil des Darms einwirken^), erscheinen sie nach kleineren Dosen breiig. Die beschleu- nigte peristaltische Bewegung gibt sich häufig durch Poltern im Leibe zu erkennen. Steigern sich an einzelnen Stellen, besonders des Dickdarms, die peristaltischen Bewegungen bis zur krampfhaften Zu- sammenziehung, so werden Kolik schmerzen .empfunden. Es kann somit ein und dasselbe Mittel je nach der Empfindlichkeit der Darm- schleimhaut bald Kolikschmerzen veranlassen, bald nicht. Besonders häufig und fast regelmäfsig treten dieselben jedoch nach dem Gebrauche solcher Mittel ein, deren Wirkung sich auf den Dickdarm beschränkt. Man hat sich vielfach die Frage gestellt, ob aufser der beschleu- nigten peristaltischen Bewegung bei der Wirkung der Abführmittel noch eine vermehrte Sekretion der Darmschleimhaut bestehe. Die meisten darauf bezüglichen Versuche^) sind bisher an Tieren ausgeführt worden, und gestatten, da die bei diesen gegebenen Be- dingungen, namentlich die Empfindlichkeit der Darmschleimhaut, von denen des Menschen erheblich abM^eichen, keinen sicheren Rückschlufs auf diesen. Auch mufs, da die Wirkung der einzelnen Abführmittel auf die Bestandteile der Darmschleimhaut sehr verschieden ist und dieselben überhaupt nur den endlichen Efi'ekt gemeinsam haben, diese Frage für jedes einzelne Mittel beantwortet werden. Einzelne gelind abführend wirkende Mittel scheinen die Sekretion von der Darmschleimhaut nicht erheblich zu steigern, während bei der Wir- kung anderer zu der beschleunigten peristaltischen Bewegung in der That noch eine vermehrte Sekretion der Dannschleimhaut hinzutritt. Besonders deutlich tritt dies bei dem Gebrauche z. B. der Senna vor Augen. Dieselbe ruft in kleineren Dosen breiige, in gröfseren wässerig-flüssige Ausleerungen hervor, auch wenn dieselben in beiden ) Verpl. Aloe, Fohae sennae, Radix rhei, Cortex rhamni frangiilac, Eadix ialaüae Scam- monmm Gummi guttae, Elaterium, Poma colocynthidum, Oleum crotonis, Herba sabinre Oleum terchinthinac, Semen colchici u. s. w. ^loium», neroa saoinae, ») Vergl. Folia sennae, Radix rhei, Aloe u. s. w. ) y^r^] Radziejewski, Zur physiolog. Wirkung der Abführmittel. Archiv f. Anatomie u 8 w 1870 TJ, 7iT ao ^^»jKR Brunton, On the action of purgative medicinei,. The Practitioner. London 1874 JNr. 71u. 72. - y!mKY, Sitzungsberichte der Wiener Akademie. 18G4. Vol. 50 n 77 _ Mnnp/r/' Bd Vn'rn^v'''''M \^'^^- P- 234- - Brikgku, Archi. f. exp. Pathol. u. Phlmak. Bü. VIII. p. ?.oo. - M. Hay, Journ. of anatom. and jihysiol. Bd. XVI. p. 243 u. 391.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21924429_0067.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


