Pathologie und Therapie der Psychosen : nebst Anhang: Ueber das gerichtsärztliche Verfahren bei Erforschung krankhafter Seelenzustände / von C.F. Flemming.
- Carl Friedrich Flemming
- Date:
- 1859
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Credit: Pathologie und Therapie der Psychosen : nebst Anhang: Ueber das gerichtsärztliche Verfahren bei Erforschung krankhafter Seelenzustände / von C.F. Flemming. Source: Wellcome Collection.
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![Unsicherheit, welche in der Lehre von den Gesetzen der Ner- venvitalität noch herrscht, ist es noch schwerer, sie gehörig zu würdigen und über ihr Verhältuiss zu einander zu einer klaren Idee, zu gelangen. Wir wollen jedoch wenigstens das erstere so gut wie möglich zu erreichen versuchen. Am wenigsten constant und gleichniässig sind die Verände- rungen, welche nach dem Verschwinden der Gefühlsdepression imd dem Auftreten der Exaltation im Bereiche des reproduc- tiven Lebens beobachtet werden. Je grösser die Störungen waren, welche hier bisher bestanden, desto weniger können sie nun plötzlich eine merkliche und nachhaltige Ausgleichung er- warten. Die Verdauungsfunctionen erfahren keine erhebliche Um- gestaltung; höchstens wird in einer Anzahl von Fällen der Appetit lebhafter, selbst bis zum Ungewöhnlichen; die grössere Menge der eingeführten Speisen zieht wohl auch eine etwas lebhaftere Bewegung des Verdauungscanais nach sich: aber selten werden in gleichem Maasse die Ausscheidungen reichlicher, und da der Stoffwechsel im allgemeinen sich nicht belebt, so nimmt noch seltener die Ernährung einen neuen Aufschwung. Wo dies der Fall ist, und es geschieht allerdings zuweilen, selbst in über- raschender Weise, da scheinen die vorausgegangenen Störungen in den der Reproduction dienenden Organen von geringerer In- tensität und von geringerem Umfange gewesen zu sein. Anderes zeigt sich im Bereiche der vitalen Functionen. Die Blutbewegung wird lebendiger, die Pulse schlagen schneller. Die Blut-Welle wird zuweilen selbst voller, obwohl sie nicht an innerer Kraft gewinnt, sondern weich bleibt (Orgasmus); ge- wöhnlich aber deutet die Häufigkeit des kleinen und unterdrück- ten, krampfigen (schnellen) Pulses auf die Fortdauer eines müh- samen, aber vergeblichen Bestrebens der Herzthätigkeit um raschere Circulation der Säfte. Die Auscultation bestätigt in der Regel diese Voraussetzung. Wir vernehmen dabei meist Herzschläge, die noch bestimmte]- als der Arterienpuls auf eine angestrengte, aber unregelmässige und unvollkommene Zusammenziehung dieses Organs schliessen lassen. — In den Lungen wiederholen sich diese Anstrengungen. Der Athem, welcher in der Depressions- periode selten und unvollkommen war, beschleunigt sich; es wird eine beträchtlich grössere Menge respirabler Luft eingeführt: aber](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21024716_0102.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)