Die Milchdrüsen der Kuh, ihre Anatomie, Physiologie und Pathologie ... / von M.H.F. Fürstenberg.
- Fürstenberg, Moritz H.F., 1818-1872.
- Date:
- 1868
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Credit: Die Milchdrüsen der Kuh, ihre Anatomie, Physiologie und Pathologie ... / von M.H.F. Fürstenberg. Source: Wellcome Collection.
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![wenn mithin die Individuen eine Anlage hierzu mit auf die Welt bringen, wenn sie angeboren oder ererbt ist; erwerben lässt sich eine solche nicht. Wir zählen zu den Slofien, deren rentables Produciren durch solche anomal entwickelte Organe erfolgt, das Fett, die Milch und die Wolle. Soll demnach Fett rentabel producirt werden, so muss den Thieren, die hierzu verwendet werden, eine Anlage, eine Diathese, zu der anomalen Fetlgewebs- entwickelung innewohnen. Nur die Kühe werden rentabel viel Milch pro- duciren, welche eine sehr bedeutend grosse Zahl von Milchdrüsenbläschen und hierin gelagerten Drüsenzellen besitzen, überhaupt eine Entwickelung der Milchdrüsen wahrnehmen lassen, die wir wegen der enormen Menge normal gebildeter kleinster Theile mit Hypei-plasie der Milchdrüsen bezeichnen kön- nen. Durch diese anomale Beschaffenheit werden die Milchdrüsen und somit das Euler im Ganzen eine bedeutende Grösse erlangen, und dem zu Folge schon äusserlich die Beschaffenheit des Organes leiclil wahrnehmbar sein. Eine anomale Entwickelung der Milchdrüsen und eine ebensolche des Fettgewebes sind in vielen Fällen gleichzeitig in einem Individuo vorhanden, beide treten aber nicht gleichzeitig in die Erscheinung, gewöhnlich sehen wir bei milchreichen Kühen die Ablagerung von Fett in den Fettzellen dann sistirl, oder doch nur in geringer Menge erfolgen, wenn infolge der Geburt des Jungen die Milchproduction profus vor sich geht, es bleibt die Fettpro- duction so lange eine beschränkte, wie eben die erhöhte Thätigkeit in den Milchdrüsen währt. Sobald aber die Milchabsonderung nachlässt, tritt die Production von Fett auf, und wir sehen bei gleichmässig fortgeführter Füt- terung durch den in dem Fettgewebe vor sich gehenden Process, den Um- fang und das Körpergewicht der Individuen zunehmen; die milchreichsten Kühe gelangen daher dann, wenn die Thätigkeit der Milchdrüsen, der Lacla- lionsperiode entsprechend, nachlässt bei einer fortdauernd gleich reichlichen Emähmng in einen mastigen Zustand. Es schliessen sich mithin nicht beide Krankheitszustände so gegenseitig aus, dass eine gute Milchkuh nicht auch in einen fettsüchtigen Zustand sich überführen Hesse. Es muss freilich hier auch erwähnt werden, dass es Stämme undSchläge giebt, bei welchen die Ausbildung der Milchdrüsen eine normale, die des Fellgewebes eine anomale ist; aus dem Prävaliren der Fettsucht bei die- sen Stämmen ist geschlossen M'orden, dass eben die Hyperplasie des Fettgewe- l>es und der Milchdrüsen in einem Individuo vereint nicht vorkommen könne, (lieser Schluss ist aber ein falscher. Bei den Thieren des Stammes der Short- horns, die sich besonders durch Maslfähigkeit, d.h. durch die Fettsucht, aus- zeichnen, haben die weiblichen Individuen normal entwickelte Milchdrüsen, (I. h. kleine nur für eine kurze Zeilperiode funclionirende Drüsen, die nur so lange Zeil in Thätigkeit sind, wie eben das von ihnen geborene .Junge die Milch aufnimmt, nur ihrer bedarf. Die Menge der abgesonderten Milch ist daher auch nur eine unbedeultMidc ]m ihnen. Die Grösse des Euters, ^\eiche wir](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21717655_0087.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


