Die Vorgänge in den Elementen des Nervensystems / von Max Verworn.
- Max Verworn
- Date:
- 1906
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Credit: Die Vorgänge in den Elementen des Nervensystems / von Max Verworn. Source: Wellcome Collection.
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![Steht die Erregbarkeit wie bei der Ganglienzelle im engsten Abhängig- keitsverhältnis von dem vorhandenen Sauerstoff. Das sind bisher die einzigen einwandsfreien Tatsachen vom Iluhestoffwechsel des Nerven. Mit dem Nachweis des Sauerstoft'wechsels ist auch die Erforschung der K eiz wi r kun gen am Nerven in ein neues Stadium getreten. Daß der Nerv selbst durch verschiedenartige Reize erregbar ist, war eine alte Erfahrungstatsache, aber bis in die letzten Jahre hatte man sich vergeblich bemüht, durch erregende Reize Ermüdungs- erscheinungen a m N e r V e n hervorzurufen, und so galt dej- Nerv bis in die letzte Zeit als unermüdbar. Ja, es gab viele Physiologen, welche aus diesem Grunde glaubten, daß die Erregung und Erregungs- leitung des Nerven überhaupt nicht direkt mit einem Stoffwechsel seiner lebendigen Substanz verknüpft sei. Nach den Erfahrungen, die ich über die Arbeitslähmung der Ganglienzellen und die Rolle I des Sauerstoffmangels dabei gemacht hatte, war es mir klar, daß, I wenn man überhaupt eine Arbeitslähmung beim Nerven erhalten 1 will, man vor allen Dingen auf den Sauerstoff sein Augenmerk richten j müsse. Das gab den Anlaß zu der Untersuchung H. v. Baeyers ^ über das Sauerstoffbedürfnis des Nerven. Nachdem diese Vorfrage im positiven Sinne beantwortet war, mußte die Frage geprüft werden, | ob der Nerv bei relativem Sauerstoffmangel durch erregende Reize ] arbeitslahm gemacht werden kann. Diese Untersuchung begann bereits H. v. Baeyer. Sie wurde dann fortgeführt von Fröhlich, der sich ebenso wie v. Baeyer mit dem Saiierstoffwechsel des Nerven vertraut gemacht hatte. Inzwischen war es Garten ge- lungen, ein OI)jekt zu finden, das sehr leicht ermüdete, das war der marklose Olfactorius des Hechtes. Hier beobachtete Garten bei rhythmischer Reizung mit Induktionsschlägen immer in kurzer Zeit eine Abnahme der, Induktionsströme, und nach einer Pause der Reizung wieder einen Anstieg derselben. Das waren offenbar Er- 1) Da ich die bei angestrengter Arbeit eintretencle Lähmung in zwei ganz verschiedene Komponenten, die „Ermüdung“ und die ..Er- schöpfung“, zerlegt habe (vergl. Max Vekworn, Allgemeine Physiologie, 1. Aull., Jena 1895, ferner „Ermüdung, Erschöpfung und Erholung der nervösen Zentra“, Arch. f. Physioh, 1900, Suppl.), so möchte ich, um den bisher auf die Gosamterscheinung angewendeten Ausdruck Er- j müdung zu vermeiden und diesen Ausdruck nur im speziellen Sinne ; für die eine Komponente benutzen zu können, die Gesamterscheinung, d. h. Ermüdung und Erschöpfung, als „Ar b eits 1 ähmu n g“ bezeichnen. 2) Garten, Beiträge zur Physiologie der marklosen Nerven. Nach ^ Untersuchungen am Riechnerven des Hechtes, Jena 1903.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22471339_0028.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)