Vorschläge zur Beseitigung der Drainage für alle frischen Wunden / von G. Neuber.
- Gustav Adolf Neuber
- Date:
- 1884
Licence: Public Domain Mark
Credit: Vorschläge zur Beseitigung der Drainage für alle frischen Wunden / von G. Neuber. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by The Royal College of Surgeons of England. The original may be consulted at The Royal College of Surgeons of England.
15/52 page 39
![welches ich auf möglichst einfache Weise die Sekrete aus der Wunde abzuleiten suchte, um etwa eingedrungenen Organismen den Nährboden zu entziehen. Nachdem es uns aber neuerdings gelungen ist, die Infectionsgefahr durch gewisse Einrichtungen noch mehr herabzusetzen und auch die Sekretbildung gegen früher erheblich zu verringern, sind wir fernerhin bemüht gewesen, durch Beseitigung jeder Höhle innerhalb der Wunden, eine Ansamm- lung der immerhin noch gelieferten Sekrete zu vermeiden, deren Abfluss eventuell durch Herstellung natürlicher Oeffnungen be- günstigt wurde. Auf diese Weise ist die Drainage nahezu für alle Wunden, welche sich überhaupt für eine Occlusionsbehand- lung eignen, überflüssig geworden. Uebrigens hat neuerdings auch Kocher ’) die Zweckmässigkeit der Drainage angegriffen, insofern er nach exacter Blutstillung, bei Benutzung* der die Se- kretion herabsetzenden i °/0. Wismuthlösung und durch Anlegung eines Compressionsverbandes öfter primäre Heilungen ohne Drai- nirung erzielte. Dieses Verfahren würde also mit dem unsrigen übereinstimmen, nur dass Kocher sich desselben selten bediente und wie es scheint ausschliesslich bei kleinen Wunden, welche auch wohl von anderen Chirurgen in früherer Zeit ohne Einlegen von Drains behandelt wurden. Für alle diejenigen Fälle, bei denen trotz Blutstillung, Wismuthbehandlung und Com- pression eine stärkere Wundsekretion in Aussicht stand, em- pfiehlt Kocher die Secundärnaht, d. h. die Wunde wird, nach- dem Wismuthcrüll in dieselbe eingelegt war, mit Seidensuturen versehen und alsdann mit einem Gazeverband umgeben. Der letztere wird je nach Menge des Wundsekretes nach 12—40 Stunden entfernt, der Crülltampon aus der Wunde gezogen, und nun die Wunde in ganzer Ausdehnung durch Zusammen- ziehen der vorher eingelegten Seidenfäden fest geschlossen. Mit diesem Verfahren der Wismuthbehandlung und Secundär- naht erreichte Kocher sehr gute Resultate und zwar fast immer ohne Anwendung eines Drains. Das Verfahren ist complicirt, insofern es mehrfachen Verbandwechsel und eine zweite kleine Operation erfordert, welche dem Patienten weniger angenehm sein wird und neue Infectionsgefahren für die Wunde mit sich bringt. ]) Ueber die einfachsten Mittel zur Erzielung einer Wundheilung durch Ver- klebung ohne Drainröhren. Th. Kocher. Sammlg. kl. Vorträge von R. Volkmann No. 224.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22329262_0015.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


